Das SPOT Festival 2015 in der Playlist

· 23.04.2015 · Keine Kommentare
30. April 2015 bis 3. Mai 2015
Location siehe Text, auswärts
Tickets ab 275 DKK (ca. 37 €)

Nach einem Winter voller Clubkonzerte stellt sich bei mir zusammen mit der Frühjahrsmüdigkeit gerne eine lähmende Musikverdrossenheit ein. Hin und wieder verliert sich die Begeisterung für die Musikperlenfischerei in einer unüberschaubaren Menge an Neuveröffentlichungen, zwischen Besprechungen, die schon in den ersten paar Monaten DIE Platten des Jahres feiern und Konzertankündigungen der fünfhundertsiebenundachtzigsten Singer/Songwriter-Folkcombo traurig schmachtender Vollbartbarden.

SPOT Festival 2015Zum Glück ist es genau jetzt aber auch wieder an der Zeit für das immer noch sympathischste aller Newcomer-Festivals: das SPOT Festival. Am ersten Maiwochenende bringt das SPOT Festival im schönen dänischen Städtchen Aarhus Musiker und Fans, Journalisten und Vertreter der Musik- bzw. Kulturwirtschaft zusammen, um für ein paar Tage Musik in kurzen, prägnanten Showcases zu erleben, sich auszutauschen, mit dem einen oder anderen Bier anzustoßen und zu netzwerkeln.

Mit seiner überschaubaren Größe und einem sorgfältig zusammengestellten Musikprogramm lädt das SPOT Festival auch in diesem Jahr dazu ein, bisher völlig unbekannte Acts zu entdecken und bereits liebgewonnene Künstler wiederzutreffen. Auf welche ich mich in diesem Jahr besonders freue und/oder gespannt bin, habe ich in einer Playlist zusammengepickt. Hinweise auf überhörte, übersehene oder schlicht vergessene Künstler, die auf meiner Must-See Liste noch fehlen, nehme ich gerne, z.B. in den Kommentaren, beim Mau Mau im Bus oder per E-Mail entgegen.

Die Playlist

To watch again

Lydmor
Nach ihrer Trust Tour im März hat Alltime-Favoritin Lydmor ihr Live-Set komplett über den Haufen geworfen, ihre emotionalen Elektropop-Songs neu arrangiert und zusammengestellt und sich nichts weniger vorgenommen, als zum diesjährigen SPOT Festival ihr bestes Konzert überhaupt zu spielen. Das sollte man also keinstenfalls verpassen und sich über ihre Facebook-Veranstaltung auf dem Laufenden halten.
Außerdem hat sie mir ein paar ihrer persönlichen Highlights für’s SPOT Festival geflüstert: -> Kwamie Liv, -> Cancer, Mendoza (“I love it. She’s crazy in a nice way”) and -> Av Av Av. Dad Rocks (“soooo cozy and great lyrics”) and Kentauer (“I’ve only heard one single but it really bodes well. Never seen them live”). -> First Hate

Cancer
Auf dem SPOT Festival 2013 debütierte die Kollaboration von When Saints Go Machine-Sänger Nikolaj Vonsild und Chorus Grant-Kopf Kristian Finne Kristensen alias Cancer auf der Bühne der VoxHall und wirklich alle strömten hin und ließen sich in die magisch-dunkelblau ausgeleuchtete Welt hinreißender Stimm(ung)en entführen. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis Mitte/Ende letzten Jahres endlich die ersten konservierten Töne des Cancer-Universums in Form ihrer EP Ragazzi auch zu uns schwappten und so langsam kommt die Sache richtig ins Laufen.

Kill J
Ein Vertreter der uMag-Redaktion twitterte im letzten Jahr zum Auftritt von Kill J: „Tragisch-trashiger Undergroundvibe, eiskalte Rapeinlagen, geistersirenenhaft gesungene Vocals. Kill J. Geil.“ Dem ist nichts hinzuzufügen, außer vielleicht der Wunsch, dass Kill J ihre für dieses angekündigte EP bitte auch in Deutschland veröffentlichen und betouren soll. Ihr Auftritt auf dem SPOT Festival 2015 wird das ganz sicher bestätigen und hoffentlich die eine oder andere Weiche stellen.

Blaue Blume
Nachdem sie als eine der bemerkenswertesten Bands auf dem letzten SPOT Festival gehandelt wurden – und das zu Recht! – veröffentlichten Blaue Blume ihren speziellen Avantgarde-Pop um Sänger Jonas Smiths dramatischen Falsett-Gesang auf einer Debüt-EP mit Titel Beau & Lorette und traten auf dem Reeperbahn Festival auf. Ich bin sehr gespannt darauf, wie es seitdem mit den vier Jungs weitergegangen ist und zukünftig weitergehen wird.

Asbjørn
Seit nicht nur ich mich auf meinem ersten SPOT Festival 2012 in Asbjørn und sein Debütalbum verliebt habe, ist einiges passiert. Asbjørn wohnt seit einigen Monaten in Berlin und hat seit Februar 2014 unter dem Titel Pseudo Visions jeden Monat einen neuen Song nebst Video veröffentlicht (-> alle Videos in der Playlist). Jeweils vier Songs wurden als ein Kapitel zu einer EP zusammengefasst und veröffentlicht. In Skandinavien erschien bereits das zugehörige Album, das alle drei Kapitel beinhaltet. Wir müssen uns hier noch ein wenig gedulden und tanzen – z.B. am 1.5. auf dem SPOT Festival – derweil zum bereits in Berlin entstandenen neuesten Pseudo Visions-Song Scandinavian Love (-> Playlist)

Rangleklods
Rangleklods, das düstere elektronische Singer/Songwriter-Projekt von Esben Nørskov Andersen ließ bereits zum SPOT Festival 2012 und mit dem Debütalbum „Beekeeper“ Musikblogs und -magazine aufhören. Seit einiger Zeit ergänzt Pernille Smith-Siversen Rangleklods zum Duo und ihren Einfluss hört man den neuen Songs deutlich an. Zur neuesten Single Lost U entstand in Berlin ein hübsches Video, in dem neben Pernille auch -> Asbjørn in der Hauptrolle zu sehen ist.

Sekuoia
Seinen experimentellen Electronica -Sound setzt Sekuoia mit Vocals und Live-Musikern warm und einnehmend in Szene. Damit hat der Anfang-20jährige Produzent im letzten Jahr auf dem SPOT Festival Herzen und Ohren erobert, zum Reeperbahn Festival noch einen drauf gesetzt und dürfte seitdem gut unterwegs gewesen sein. Bevor er wieder in Deutschland spielt (14.5. Kantine am Berghain, Berlin und 21.8. MS Dockville, Hamburg) wird er auch in diesem Jahr auf dem SPOT Festival zu sehen sein.

What’s new

Paper Cranes
Soulig-sanften Elektropop mit tiefen Beats versprechen die drei Jungs von Paper Cranes und sie wecken damit Erinnerungen an Konzerthighlights von Glass Animals, Son Lux und wie sie alle heißen.

Kwamie Liv
Mit Trip-Hop Beats, Downtempo-Songs und ihrer warmen, weichen Stimme schmeichelt sich Kwami Liv durch die Ohren in deinen Kopf.

Mads Damsgaard Kristiansen & Abby Porter
Antonio Gram

Anfang April gaben Reptile Youth über Facebook bekannt, dass sie getrennte Wege einschlagen. Frontmann Mads Damsgaard Kristiansen führt das Projekt unter demselben Namen weiter, Esben Valløe lebt seine Liebe zur elektronischen Musik zukünftig mit seinem Solo-Projekt Antonio Gram aus. Beide werden auch auf dem SPOT Festival zu sehen sein: Mads Damsgaards Stimme trifft, begleitet von Jakob Torp Littaur am Piano, auf die visuellen Welten der Künstlerin Abby Portner (Animal Collective). Esben stellt Antonio Gram vor.

Aurora
Elektronisch untermalten Singer/Songwriter-Pop hat die 17jährige Norwegerin Aurora Aksnes im Angebot. Aufhören lässt ihre eindringliche Stimme, die nach drei, vier, fünf Songs eventuell auch nerven könnte.

First Hate
Am Synthie-Pop des Duos First Hate kommen wir wahrscheinlich nicht vorbei. Es heißt, sie hätten es fertig gebracht, in der Hipster-Hauptstadt Kopenhagen die größte Hipster-Band zu sein. Davon abgesehen, sollen sie aber auch wirklich gut sein.

The Cabin Project
Die beiden Musikerinnen Kira Skov und Marie Fisker (welche vor allem als Gastsängerin auf Trentemøllers Album Lost bekannt sein dürfte) erschaffen als The Cabin Projekt eine angenehm schwere, dunkle Folk-Klangwelt. Auf dem SPOT Festival wird die durch eine visuelle Interpretation der beiden Video-Künstlerinnen Helene Nymann and Diana T. Møller visualisiert.

AV AV AV
Das Produzententrio aus Kopenhagen wird in den dänischen Musikmagazinen gerade gut abgefeiert und gut feiern und tanzen lässt es sich gewiss auch zum treibenden Sound von „Dänemarks neuer elektronischer Supergroup“.

Keep Camping
Keep Camping haben ihr Zelt im eher düsteren Teil der Folk- und Popgefilde aufgebaut. Durch den Sound dieser fünf Herren aus Aarhus fühlt sich aber vielleicht auch das eine oder andere Tanzbein zum Mitwippen animiert.

Marvelous Mosell
Einmal warmgewippt geht’s gleich weiter zu: Disco, Disco nebst dänisch-sprachigen Rap! Herrliche Aussichten für Samstagnacht.

Unkwon
Es heißt, dass die Musik von Anders Dixen vom speziellen Blues inspiriert sei, der einen zuweilen in den frühen Sonntagmorgenstunden ereilt. Schon das macht ihn und sein Projekt Unkwon grundsympathisch. Und zu den tiefen, langsamen Beats, Klicks und Sounds lassen sich die die blauen Gedanken entspannt wegträumen. Unkwon ist auch Teil von -> AV AV AV.

Northern Assembly
Wenn schon Folk, dann vielleicht am ehesten von Northern Assembly. Skandinavisch, niedlich, Folk eben. Kann man schon mal machen.

QNDA
Qnda aus Nordschweden scheinen gerade mal seit einem Jahr gemeinsam zu musizieren. Ihre Facebook-Seite kann gut noch ein paar Likes ab, denn der verträumte elektronisch/akustische Indie-Pop der vier klingt ganz lieb und artig.

Tracy Irve
Aus Schweden kommt auch das Geschwisterpärchen Linnea und Alexander Herlogsson, der Höreindruck des einzigen Songs, der von den beiden zu finden war, verspricht düsterschönen alternativen Pop. Früher haben die beiden Film-Soundtracks geschrieben.

Emil Stabil
So ein Name gehört einfach auf die Liste. Motivation filed under: Dänischsprachiger Hip-Hop. Emil Stabils Hit „Er det en fugl“ fragt lt. Übersetzungsmaschine: „Ist es ein Vogel?“ Das sollte sich doch rausfinden lassen.

Julias Moon
Clap Your Hands zu diesem Häppchen klebrig-süßer dänischer Popmusik.

Specials

Zum und um das SPOT Festival werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Specials stattfinden. Dazu gehört außer dem ganzen Business-Kram ein Filmprogramm, Unterwassermusik und eine Goth- und Industrial Night. Außerdem lohnt es sich immer, nach Off Spot-Veranstaltungen Ausschau zu halten, wie zum Beispiel das von Good Because Danish präsentierte Showcase For Femal Danish Voices, es gibt eine Iceland (Airwaves)-Connection (Dad Rocks, Mammút, Samaris) und das Streicher-Kollektiv Who Killed Bambi begleitet ein Showcase lang verschiedene Sänger/innen, darunter Kristian Finne Kristensen (Chorus Grant, Cancer), Sofie Viemose (Lowly) und Nanome. Wer möchte, kann auch einen Exkurs in dänischen Hip-Hop unternehmen, dafür bieten sich Optaget, Rest in Beats, Skinz, Sukker Lyn und Ukendt Kunster an.

Besonders hingewiesen sei noch auf das Filmkonzert „Dance Dance Dance“ der Belgier Arsenal, das eine „multidimensionale Fusion von Film und Musik“ verspricht. Während Arsenal hier wohl kaum jemand kennen dürfte, füllt das Duo mit seiner elektronischen Popmusik und unterstützt von einer Liveband in der belgischen Heimat die richtig großen Hallen. Für ihr letztes Album und die zugehörigen Touren arbeiteten Arsenal unter anderem mit -> Lydmor zusammen. Ihr dürft sie also auch beim SPOT Festival gemeinsam mit den Belgiern auf der Bühne erwarten.

Also, ein Ticket zum SPOT Festival bitte, gegen Musikmuffeligkeit und für frische neue Eindrücke, die dazu inspirieren, Augen und Ohren weit und wieder weiter aufzusperren für all die neue und schöne Musik die da noch kommen mag.

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