John Klein: Nachtrag – Introducing Tourette Boys

· 21.04.2014 · Keine Kommentare

Es gibt tatsächlich Menschen, sogar Musiker, mit denen es sich schwer über Musik sprechen lässt. Mit den Tourette Boys ist es einfach.Die Tourette Boys, das sind Willi (Gitarre),  Benni (Gitarre) und Konrad (Schlagzeug).
Ihre Musik ist, wie in einem Film, wo eine Szene , dann doch zum Science Fiction wird, weil der Zug(Blues), in den man eingestiegen ist im Nebel verschwindet und man weiß nicht , wohin er fährt…und auf den Schienen bleibt er auch nicht. Ich spreche mit den Jungs aus Dresden in der passenderweise noch vernebelten Backstage-Koje der Groovestation nach dem Konzert am 11. März.

JK: Aufgrund des Namens habe ich erst mal an Punk gedacht, bevor ich euch hörte.
Willi: Zur Namensherkunft kann ich ein bisschen was sagen.Ich mache mit Benni schon etwas länger Musik. Wir kennen uns durch die Schule, also schon seit ich 14 bin, also etwa seit 7 Jahren.
Dann hat das erst mit einer Schulband angefangen und dann eine Punkband, die so Musik macht, die man mit 14 eben so macht.
JK: ..die auch den Namen Punk verdient.
W: Ja, genau.Das waren damals halt noch ein paar mehr.Dann ging das wieder auseinander und jeder hat so Seins gemacht und dann haben wir uns aber vor etwa drei Jahren wiedergefunden.
In unserem jugendlichen Humor fanden wir den Namen Tourette Boys super witzig.
Wir haben dann zu zweit erst mal wieder angefangen Musik zu machen. Mit einem kleinen Drumcomputer ohne Schlagzeug.
Konrad kam erst dazu , als Benni nach Dresden gegangen ist.
(Willi und Benni kommen aus Hoyerswerda, Benni ist gebürtiger Brandenburger)
Die Musik, wie sie jetzt ist, ist auch erst mit Konrad so geworden, das war vorher noch ein bisschen was anderes….
JK: Das war vor zwei Jahren.
Konrad:Ich bin dazu gekommen, und hab auf die alten Songs einfach so drauf improvisiert, wie es halt so kam.
Und dann haben wir einen neuen Song zusammen gemacht und da hat sich raus kristallisiert, das es etwas komplett anderes wird.
JK: Der Stil.
K: Ja,vielleicht ein wenig ernsthafter…Und mehr Druck im Klang.
JK: Ich weiß, wer mir zu eurer Musik noch einfällt, als Parallele. Wo seht ihr euch?
Benni: Also es ist generell cool bei Bands wenn man sagt,wir gehören in keine Ecke , wir haben unsere eigenen Schublade aufgemacht.
Das sagt ja fast jede Band.Grundsätzlich steckt da ein Funken Wahrheit drin, aber es ist auch eine ganze Menge Gehabe heutzutage geworden.Im Endeffekt will man ja auch nicht in eine Ecke gesteckt werden, sondern als das anerkannt werden , was man so ist. Als Musiker, eher wichtiger als Mensch, der sich in irgendeiner Form ,ausdrückt. Hier mit unserer Musik.Es geht eher darum ; wie will man überhaupt wahrgenommen werden.
Das sind viele Einzelteile.Was ich mache, kann ich nicht ansagen.Und die Parallelen hörst du halt raus….
JK: Da fallen mir Russian Circles, Do Make Say Think ein, zum Beispiel… Postrock ganz im allgemeinen..
W: Ich kenn die Russian Circles. Ich persönlich find das immer zu doll.
Da gibt es auch den Psychedelic Rock, aber wir nehmen uns so eine Richtung nicht vor.Wir haben das für uns drei entwickelt.Die Musik hat einfach zusammengepasst.
K:Es kam schon manchmal ganz überraschend..ich hab das auch bis dahin nicht wahrgenommen.
W: Es war schon ein ziemlicher Boom jetzt mit dieser Art Musik…
K:Wir haben alle Bands , die wir gerne hören, aber das ist nicht immer der direkte Einfluss auf das, was man so macht.
JK: Gerade deshalb spannend. Manche hören Debussy und machen Punkrock.
K: Ja, natürlich. Ich zum Beispiel stehe übelst auf Jazz, das hört man auch nicht unbedingt raus.
Ich muss mich auch, ehrlich gesagt, immer zusammennehmen, das ich nicht abdrehe. Bohren und der Club of Gore zum Beispiel.Die haben hier letztens gespielt. Die find ich großartig. So was wie Nirwana in einer Freejazz-weise…obwohl..
B: Das ist kein Freejazz!
K: Stimmt. Es ist unglaublich abgezirkelte Musik. Die nehmen das sehr krass auseinander. Sehr komplexe Musik. Ansonsten hab ich auch viel Metal gehört, was man auch nicht so merkt…und ich hör auch Klassik.
W: Ich hab gelernt, was man mit einer Gitarre machen kann durch Pink Floyd. Da hat sich eine Welt offenbart.Ansonsten Blues, in allen möglichen Varianten.
B: Ganz frühe Blues-Sachen aus den 20 er Jahren. Skip James, Son House, Robert Johnson, Howlin Wolf….,die alle einen eigenen Stil haben, die Gitarre zu spielen… die unter aktuellen Gesichtspunkten etwas störrisch klingen, weil sich eben die Hörgewohnheiten geändert haben. Beim Gitarrensolo ist so was wie ein Rumgefidel, aber so was von emotional.
Das sollte man raus hören, das da auch mal ein tiefer Ton dazwischen sein kann. Man hört einfach, das da jemand voll dabei ist und nicht nur eine Pentatonik runter spielt, die man eben auswendig gelernt hat.Da nicht nur sein Können beweist.Ich finde es teilweise interessanter, wenn man angreifbarer und verletzlicher ist.
Das Fragile , wenn es auch etwas zerbrechliches ausstrahlt,es nicht so hin gestanzt ist. Teilwiese ist es auch bei uns massiv, aber es gibt ruhige Momente, wo Stille durchklingt.Das eher das transportiert, worum es uns in der Musik geht.
JK: Ja, worum geht es? Kannst du das definieren…
B:Ausdruck von einem Gefühl. Gefühle, die die Gedankenwelt mit Emotionen , mit den Handlungen im Kopf…in eine Art Paket zu packen.Auch wir haben ja bestimmte Songs, aber dazwischen ist halt viel Gefrikkel, und Ausbrechen aus der Struktur.Ein Lied ist ein abgeschlossener Mikrokosmos, heutzutage.Da ist vorgegeben ,vordefiniert das es eine Strophe gibt, einen Refrain, eine Bridge…..teilweise ist es ganz gut, das es das vorgefasste Abläufe gibt,das es sich musikhistorisch so entwickelt hat.Da ist das ganz gut, das sich der Hörer an etwas festhalten kann.Sonst… müsste man nur noch Jazz machen.
JK: Es gibt auch starke Unterschiede zwischen den Liedern mit Gesang und ohne.Da ändert sich die Struktur.Was spielt der für eine Rolle? Willst du das das inhaltlich ankommt, oder nutzt du es eher akustisch?
B: Es ist schon eher eine Klangkomponente, die dazu dient, ein Gefühl zu transportieren, auch wenn man den Text nicht richtig versteht, der ja nun relativ simpel ist.
Den Inhalt kannst du in einen Satz erklären, aber der spricht eben für eine Grundemotion.Es ist jetzt nicht die mega message, oder Story-telling, aber genau das lässt eine Offenheit zu,das jeder etwas für sich damit verbinden kann. Es lässt einen nicht kalt.Hoffe ich jedenfalls.
JK: Ich hab nicht alles verstanden, aber das war genau die Frage, ob euch das immer so wichtig ist.Ich sehe die Songs eher als Klanglandschaften.
B: Dann ist es eben für dich eben eher instrumental.Zwischendrin ist die Stimme ein Instrument, was sich unterordnet , oder raus sticht. Es muss niemand verinnerlichen und auch nicht mitsingen können.
K: Es ist schon eher ein Instrument.
W: Finde ich auch wichtig. Dadurch das wir zwei Gitarren und keinen Bass haben, kann das schon sehr melodiös sein…da macht die Stimme etwas, das herauskommt oder darübersteht.
JK: Spielt für euch bildliche Umsetzung eine Rolle…Videos zum Beispiel.Image, Bilder. Du zeichnest und malst. (Benni aka Artourette)
B: Schwer,ich habe darüber schon nachgedacht. ich bin da auch so kunstmäßig vorbelastet.Wenn man ein Lied hat, das man sehr mag…das alle sehr mögen, dann muss das Video der Musik ebenbürtig sein. Da bedarf es schon einiges an gutem Licht, Schnitt und Technik. Die Umsetzung in diesen Bildträger. Das muss eine Person sein, die das entschlüsseln kann in die Bildsprache…ein Musikvideo muss von jemandem gemacht werden, der die Musik übersetzen kann.
K: Und was wir nicht wollen, ist so was , wo nur wir dastehen…und spielen.
B: Ein Livemitschnitt.Aber das ist kein Musikvideo , und das fänd ich echt lame. Das müsste so eine Lars von Trier Nummer werden. Das muss ein Typ sein, der auch die Musik gefressen hat.Nicht, das man sich jemanden holt, der das geil macht, der das kann, sondern einer der die Sensibilität dazu hat…der die stillen Sachen da drin sieht. Da geht es nicht, einfach was hinzurotzen. Das Internetgedächtnis merkt sich das…das ist dann da. Das geht gar nicht.
JK:Gibt es ein Beispiel im Film, wo ihr sagen würdet, da würde ich gern einen Soundtrack drunter legen…das würde eurer Musik entsprechen.
B: Ein Deadman Musikvideo wär geil…vielleicht. In einer Szene wo Johnny Depp vielleicht grad nicht auftaucht….
W: Der Soundtrack ist schon super.
B:Klar, der Soundtrack ist eben auch super. Aber auch die Ästhetik. Etwas minimalistisches,das nicht so aufbrausend ist.
W:Ja, aber da ist auch eben die Musik eigentlich noch viel minimalistischer , als da was wir machen.
JK: Jim Jarmusch wär aber exemplarisch?
W: Es ist schon cool was er macht, aber so einen direkten Favoriten hätt ich dafür nicht.
K: Das ist schon schwierig.
W:Ich denke, es muss auch mit der Musik wachsen, damit es gut wird.
B: Man muss sich gegenseitig gut kennen, um da was zu entwickeln, was wirklich Sinn macht.
W: Bei Pink Floyd ist das exemplarisch.Die haben zwar keine Musikvideos gemacht in dem Sinne, aber der Designtyp hat aber von Anfang an immer die Cover gestaltet und da merkt man schon das es richtig gut wird, wenn die sich lange kennen und zusammen arbeiten.
B: Sind halt verschiedene Künstler die zusammen arbeiten.
JK: Was du machst, weiß ich (Benni studiert K.U.N.S.T.an der HfBK Dresden), was ihr macht, weiß ich noch nicht.
W:Ich studiere in Berlin Englisch und Sozialwissenschaften.
K: Verschiedenes , was Festes mach ich grad nicht.Was sich so ergibt.
JK:Was hast du mal gemacht? Woher kommst du?
K: Ich hab mal Zimmerer gelernt und Bauingenieurwesen studiert, aber in dem Bereich arbeite ich nicht mehr.
JK: Du in Berlin und die anderen in Dresden, das schafft ihr wie?
W: Na, ich komm dann halt her.
K: Wenn Willi grad in Berlin ist, spiel ich viel mit Benni zusammen. Dann haben wir eine Idee…und dann kommt Willi und macht die vollkommen zunichte, dann bauen wir aus den Trümmern der ursprüngliche Idee wieder was neues auf und das klappt eigentlich ganz gut.
B: Jaaa, da kommt der Bauingenieur durch.Eigentlich läuft so eine klassische Tourette Boys Probe auch wie ein Konzert ab. Wir können uns schon ganz gut über die Instrumente ausdrücken, nonverbal.Aus dem Miteinander spielen einstehen Ideen, die weiterverfolgt werden die verschwinden, wieder auftauchen , zu einem Lied werden.In den seltensten Fällen ist es so, das Konrad und ich zusammen was erarbeitet haben und Willi kam dazu und hat das einfach abgenickt…
W: Das klingt ziemlich mies.
B: Ist halt gut,wir sind alle ziemlich kritisch.Wir nehmen das schon ganz gut auseinander. Willi kommt und sagt, das Riff klingt wie die und die Band…und sagt so ein Negativbeispiel.Ich nenn jetzt keine Namen,aber wo alle sagen, Scheiße , das wollen wir nicht.Das klassische, beatle-eske, wo einer einen Song schreibt und alle sagen, ich spiel jetzt meinen 4 viertel Takt zu.
K: Jetzt hier nicht die Beatles dissen!
B: Nein nein, kein Beatles Diss, ich hab viel zu wenig Beatles gehört um sie zu dissen…ich meine nur, es ist nicht klassisches Songwriting, wie man sich das so vorstellt.Also die Texte schreib schon alle ich, aber die werden dann durcheinander gewurstelt, weil die Liedstruktur dann völlig gekippt wird, und anders wird, als wie ich es mir anfangs gedacht hab. Es wird auch immer viel fetter.Das eine ist das, was ich in meinem Zimmer mache, die erste Idee, die ich habe,dann geh ich damit zu Konrad, dann macht Konrad was dazu und dann wird’s wieder anders. Und dann ist Willi so der Abschlussteil, der dann sagt, das geht. Das geht gar nicht. Da wird so lange rumgeorgelt, bis
JK: Der Kern ist, das ihr immer zusammen spielt. Es entsteht in der Session.
W: Das einzige, was wir unabhängig von der Session machen, ist ,mir das via dropbox zu schicken, damit ich es schon mal hören kann, aber ob das genutzt wird, und wie wir das arrangieren…das entsteht zusammen.
B:Wenn du so einen Flow drin hast und alle sagen, wow ja, wir machen das so…aber das wär, wenn alles Genies am Start wären , ohne Frage. Das mit dem Abnicken ist ja auch total langweilig.
JK: …Butter und Brot , was dazwischen und fertig.
B: Super Wortwitz.Ich heiß Butter und er (Konrad) heißt Brot mit Nachnamen.
K:Es geht da um ein profundes Urteil…das Willi dann meistens abgibt.Die Songs entwickeln sich aber auch immer wieder weiter.
JK: Das heißt, ihr könnt nicht reproduzieren.
W: Nein, also die dropbox ist voll mit Versionen eins bis…lauter Probenaufnahmen und bei der nächsten Probe klingt es wieder komplett anders.
K: Irgendwann ist es schon so fest, so das es reproduzierbar ist,aber es dauert über Konzerte weg sehr lange.
JK: Wollt ihr das überhaupt?
B: Nee! Ich find das selber eher Scheiße, wenn du auf ein Konzert gehst und dann genau damit abgefertigt wirst, was du so erwartest.Du kreierst als Band ja eine bestimmte Marke….es gibt natürlich bestimmte Bands, die genau darüber funktionieren.Wenn du jetzt auf ein Hive Konzert gehen würdest und die fangen an eine ruhige Jazznummer zu spielen,, dann würde es nicht funktionieren. Wenn du mit einer bestimmten Sache bekannt wirst und dann bei einem Label bist, die da Druck machen, hej mach mehr davon….das läuft…wir wollen genau das…das ist Mist.Das seh ich gerade als Luxus an, den wir im Moment haben, wir können uns alles erlauben, es wird konkret und zerfällt auch wieder.
JK: Das ist eine Entscheidung. Das haben zum Beispiel die Russian Circles gemacht. Ich fand das Album Enter super, aber das Konzert hat mich schon etwas enttäuscht. Sie haben das sehr sauber runter gespielt…die Frage ist, ob man das will, oder nicht.Für sie war das vollkommen ok. Ihr wollt das gar nicht….
B: Identisch geht gar nicht.Was ich wichtig finde, ist,eine bestimmte Grundstimmung beizubehalten. Du hörst Musik, nicht nur wegen dem Ablauf eines einem bestimmten Liedes gefällt , sondern weil dir das Gesamtkonzept der Band gefällt.Bei Bands, die sich selbst reproduzieren auf der Bühne, wird Musik dann auch nur zu einer Arbeit. Du hast die Erwartungshaltung vom Publikum und du erfüllst das nach besten Wissen und Gewissen, kassierst im besten Fall die Kohle dafür ein, aber ich seh mich ja als Künstler und der Rahmen, indem du versuchst einen gewissen Sound wiederzufinden, als Korsett jetzt zu verstehen,ist da schon schwierig genug.Es ist gut, wenn man sich verorten kann, aber ..eben nur das.Queens Of The Stoneage zu Beispiel machen live auch immer geringfügige Abweichungen,ändern alte Nummern und sie brechen das live auf.Es gibt auch bei uns Songs, die eine recht starre Form haben, aber selbst da …variieren wir immer.
K:Da gibt’s Punkte wo ich weiß, jetzt müsste der Wechsel kommen und dann gibt es einen kurzen Seitenblick und aha…es wird anders. Dann machen wir das so.
B: Es gab Konzerte wo wir selber merkten, das wird jetzt nicht so fett, aber dann ist der Kampf auch wieder interessanter. Gegen das Equipment, gegen den Sound…manchmal sogar gegen die Leute……und vor allem gegen den eigenen Schweinehund anzukämpfen.Also live das Ruder noch mal rum zu reißen und nicht zu denken, ach , ich will die Nummer nur schnell hinter mich bringen.
K: Das ist dann schon mehr professionell, wenn man weiter machen kann, auch wenn die Stimmung scheiße ist, wenn die Bedingungen nicht gut sind, man spielt weiter, aber andererseits ist es auch blöd über die Stimmung drüber zu spielen. Da geht dann der Flow verloren.Und heute zum Beispiel war das gut, die Stimmung war gut,es hat Spaß gemacht.Wir haben auch alles etwas länger gespielt.
JK: Woran lag das?
K: Das Publikum war gut.
W: Das Publikum hat eine große Wirkung, wie die das aufnehmen. Und der Sound auf der Bühne ist sehr wichtig, weil das ein großer Unterschied ist, wenn man sich selbst gut hört.
K: Wenn an sich selber gut hört, dann kann man auch viel mehr improvisieren..wenn man sich schlecht hört, spielt man strikter.
W: Die Bühne hier ist super gut.
B: Platz zum rumspringen, ….einfach mal aus Spaß rumzuwackeln , ohne die Rockstarpose. Ich möchte keinen Schauspielereikram machen, aber es ist schwer,wenn du dich nicht bewegen kannst und merkst du das das Publikum lahmarschig wird.Das hängt zusammen irgendwie. Die Leute merken eben, wenn du selber abgehst und auch die Möglichkeit dazu hast.
W: Obwohl das Publikum natürlich eine Rolle spielt, blende ich das während dem Konzert völlig aus. Das ist eine Sache zwischen uns drein.
B: Ja…auf jeden Fall.Wir kommunizieren viel über Blickkontakt und Töne , nonverbal…Das ist dann so ein ganz intimes Ding, was aufgebrochen wird, wenn ein Lied zu ende ist.
JK: Das ist spürbar!
W: Es ist wichtiger, was wir machen, als während des Songs aufs Publikum zu gucken.
K: Ist eher so ein Gefühl…wie das Publikum das findet.
B: Und das zwischendrin Gelaber liegt mir auch gar nicht. Merkt man ja auch.Ist aber doch auch sympathisch,das man merkt, ich hab nicht so ein Standard Witz-Repertoire…da wachsen wir bestimmt alle noch dran…vielleicht erzählt ja mal jemand anders was.Dadurch das es vorher eher so unter uns passiert, find ich die Überleitungen der Songs dem Publikum gegenüber eher schwierig.Diese Entertainer-Rolle.
JK: Du hältst dich ja schon zurück…
W: Jaaa, das haben wir so eingerichtet.
B:Ich kann da schon kommunizieren, wenn es sein muss, aber da kommt dann eher Schwachsinn bei raus…so ein Rumgelaber.Das hatten wir dann auch schon, das hat dann so die Ästhetik von so einem Fußballspieler,der kurz nach einem Elfmeter so vor sich hin stammelt.
JK: Gibt’s ein bestimmtes Erlebnis, was ihr nicht vergesst?

W: Die Mad Max Party letztes Jahr. So am Rand des Hechtfestes.
B: Oh ja, die war geil.
K: Wir haben in einem Käfig gespielt!
B: Hinter Bauzäunen… geiles Publikum…alles voller Leute und dahinter stand so ein Zombie Dude mit einer Axt, der dann auf die Zäune, die labil mit Tape zugemacht waren, draufhaute.Der Zaun kam immer näher.Ich dachte, hej Alter, krass, die Axt ist kurz vor meinem Kopf , ich hab Angst. Da war aber so ein leerer Blick.Er sagte dann,ich hab alles voll unter Kontrolle, aber ich hatte da nicht so das Gefühl.
K: Die Leute standen auch alle um uns rum. Spielerisch war das nicht so der Hammer, aber die Stimmung war alt irre.
W: Die Bühne war ein Dreieck, der Zaun hat total gewackelt, es war voll wenig Platz. Und alle in diesen dummen Kostümen.
JK: Thema Mad Max. Endzeit.
B: Wir hatten auch Kostüme…und haben voll scheiße gespielt.
W: Ja, Thema Apokalyse. Es war super warm. Es war großartig.
K: Es war auch unglaublich voll. Ich kam später, die wollten mich erst gar nicht rein lassen.Dann hab ich gesagt, hallo, ich bin der Schlagzeuger.
W: Das war legendär.
B: Andere Mucken sind die , wie in der HfbK. Da wird nach dem zweiten, dritten Song kommt ein Kunde und gibt ein Zeichen,das wir aufhören sollen.Und dann wird einfach die Stimme runtergedreht.
K: Nach einer halben Stunde! Da fangen wir ja grade erst mal an…das sind bei uns drei Lieder!
B:Da denkst du ,Kunsthochschule.Da müsstest du doch grade ausrasten können…aber da war es ja am konservativsten überhaupt. Ihr spielt jetzt eine dreiviertel Stunde. Punkt.
JK: Wo war das? In welcher Fraktion?
B: Brühlische Terrasse.
JK:Oh je.
B:Am geilsten ist es vielleicht noch an der Pfote.(Bei den Bildhauern, Pfotenhauerstrasse)
K: Vergiss die HfbK!
W: Ich bin da auch echt durch.Die müssen nicht noch mal kommen.
JK: Abschließend; wenn eure Musik eine Farbe hätte , welche hätte sie?
(Allgemeines Aufstöhnen.Es klingt, als hätte ich allen gleichzeitig Messer in die Seiten gerammt)
W: Ich weiß es! Lila.
B: Uurgh. Auf keinsten Alter,….ooouurrg
W: War nur Spaß.
B. Ja,ja,Spaß?
W: Wegen dem Bühnenlicht.
K: Schwierig…lila ist es nicht. Grün auch nicht.
B: Farbe ist reflektiertes licht …ist ja dann eigentlich auch trivial.
JK: Schön, das ihr es so ernst nehmt. Es geht um keinen Stempel. Geht mir nur darum, was ihr bei eurer Musik spontan für eine Farbe…wahrnehmt.
W: Es gibt ja Leute, die Musik als Farbe wahrnehmen. Synästhesie nennt sich das, die Sinneswahrnehmungen verknüpfen.
B: Ich hab das eher mit Mustern.
K: (zu mir)Was denkst du denn für eine Farbe?
JK: Dunkelblau.Mit verschiedenen Schattierungen, aber eindeutig.
B: Eher so ein Gründing….aber ich weiß nicht.
K: Ja, das Publikum sieht dann manchmal vielleicht die Farbe grün..ich denk auch eher an dunkelblau..nicht Anthrazit..das ist zu steril.
B: Für mich ist es eher Nebel.Form statt Farbe.Nebel.
JK:Danke. Gibt es jetzt noch etwas , das ihr mir noch unbedingt sagen wollt…
B: Hängt halt alles so zusammen, das sollte durchkommen.
JK:Das,sei dir sicher…kommt durch!
B: Nichts muss , alles kann.
W: Ich grüße meine….
schallendes Gelächter!

Das nächste Konzert der Tourette Boys:am 30.4. im Ostpol,als Support von Birth of Joy

Graphik von Benni:http://artourette.tumblr.com
(fotos: Zwenno)

 

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