Auf kein Bier mit John Klein: Niklas Källgren von den Truckfighters

· 06.03.2014 · Keine Kommentare

Es ist eine Premiere für mich. In der Tat ist es mein erstes Interview in der Form am helllichten Tag, mitten am Tag! Nicht backstage ein verschwitztes Bier noch außer Atem…aus der Hüfte ein paar Fragen. 13-13.20 ist dieses Date mit den Truckfighters …in der Groovestation.

The Truckfighters. Sie sind schon berühmt. Sie haben: weitreichend, hohes Ansehen. Es gibt einen Film über sie (Truckfighters , Fuzzomentary), in dem sie Josh Homme, als einer der besten Bands ankündigt, wörtlich: “best band has ever existed“.

Ich bin zu früh. Niklas ist mir entgegen gekommen…
Ich schlage vor, das Interview in Willis Plattenladen zu verlegen, denn dahin ist Niklas gegangen, um seine eigenen Platten da zu verkaufen, statt dessen kommt er zurück mit einer Platte von den Queens of the Stone Age und einer von Tool („die beste Band in der Welt“ sagt er.) Niklas ist dann auch der, von den dreien, der mit mir spricht.
Auf kein Bier. An einem Tisch.

JK: Zum Anfang, wie würdest du die Musik der Truckfighters beschreiben?
N: Gute Musik! Alternative, Heavy Rock mit Progressive Vibes, Stoner Erbe…aber das neue Album ist nicht mehr so viel Stoner….Progressive Stuff. Mehr das…denk ich.
Vor zehn Jahren waren wir mehr eine Stonerband. Das war leichter zu beschreiben…
JK: Ihr habt den Stil geändert. Darauf wollte ich hinaus.
N: Ja, dahin gehen wir auch. Wir wollen das. Ist uns egal, mit was wir verglichen werden, Hauptsache es ist etwas Gutes. (lacht)Gute Bands.
JK: Gibt es etwas, ein No Go als Vergleich?
N: Nein, egal. Solang ich das Gefühl habe, die Leute haben sich das wirklich angehört, können sie sagen was sie wollen. Ich mag nur Vorurteile nicht.
Wenn sie jetzt schreiben, dass das Stonerrock ist, denk ich, sie wissen nicht, was sie da beschreiben. Ich geb da nicht viel auf Negatives.
Es kostet zu viel Energie, sich über so was Sorgen zu machen.
JK: Sag mal Namen. Zum Vergleich, der dir passt.
N:Der Vergleich zu Fu Manchu und Kyuss stimmte vielleicht 2005, aber jetzt definitiv nicht mehr.
JK: Ok. Was anderes, ihr kommt alle aus verschiedenen Jobs. Was für ein Schulfach würdest du unterrichten, dir ausdenken? Das, was deiner Meinung nach fehlt.
N: Leute beizubringen, das sie sich selbst vertrauen, ihrem eigenen Herzen zu folgen, ihren Träumen zu folgen, nicht den Weg, den die Gesellschafft vorschreibt, was man so sein soll.
Fernsehen, früh arbeiten gehen, sonntags Pause machen…irgendwie langweilig.
JK: Wie würdest du das unterrichten? Eine Übung dafür?
N:Keine Ahnung. Kultur ist ein Weg herauszufinden, was du willst. Manche machen Buchhaltung…vielleicht mögen sie es nicht mal, überzeugen sich nur selbst davon, es gut zu finden. Schwierige Frage….
Generell ist ein Bedarf da, die Augen und Ohren zu öffnen, für das was so passiert und sich dafür zu interessieren. Rauszufinden, was das eigene Potential hergibt.
Da ist so viel Druck von allen Seiten, was du so sein sollst und wie du dich zu verhalten hast. Das aufzubrechen ist schon eine wichtige Sache…Es braucht Stärke, den eigenen Weg zu gehen.
JK: Gab es in deinem Leben einen initialen Punkt, ein Erlebnis, ein Lehrer, Einen Wendepunkt…wo du dir sagtest, das ist jetzt eine Richtung, darauf muss ich zugehen?
N:Ich hatte einen Lehrer damals, in der Toningenieur-Klasse, er sagte , es gibt keine Regeln, wenn es gut klingt, ist es gut, dann spielt es keine Rolle, wie die Lichter strahlen, oder was auch immer…Das nahm ich mit. Auch ins Leben…
Es spielt keine Rolle, wie man es von außen wertet. Sich davon, von diesen Kriterien unabhängig zu machen. Es geht darum, seinem eigenen Gefühl zu vertrauen, wie etwas ist, was du machst. Wenn es funktioniert; nicht so viel nachdenken, einfach tun.
JK: Gibt es etwas, das du richtig vermisst, trotz dem Spaß bei der ganzen Sache?
N:Ich kann mich mal nicht daran erinnern, zwei Wochen mal gar nichts getan zu haben…das ist echt lange her. Irgendwie mal zur Ruhe kommen.
JK: In dem Sinne, was wäre der perfekte Tag?
N:Das hängt absolut vom Tag davor ab…wenn ich eine Weile nichts gemacht habe, nur Gitarre gespielt, dann wäre der perfekte Tag eine gute Show, oder umgekehrt….
JK: Und der perfekte Morgen?
N:Weißt nicht. Aufwachen und keinerlei Stress zu fühlen…kein Druck. Freude fühlen für das, was ansteht. Meist fühlt man da eher den Druck, als Stress….
JK: Hast du Zeit für andere Sa…
N:Nein! Ich hab ein Kind, ich hab keine Zeit für andere Sachen.
JK: Guter Punkt, was ist zuhause für dich?
N: Im Moment Stockholm, weil ich dahin gezogen bin, meine Wohnung da habe, meine Gitarren, …tatsächlich nicht genug Platz für meine Gitarren….
JK: Ich habe gelesen, das der Name Truckfighters von einem Buch stammt…
N: Einem schlechten Buch (lacht)!
JK: Schlecht?
N: Ja, irgendwelche sinnlose Action und dumme Wörter, es war ein Spaß…
JK: Erinnert mich an einen Film, den ich mal gesehen habe, in dem sich Trucks und andere Maschinen personalisieren und auf Menschen losgehen…schräger Trash.
N: Echt? Musst du mir sagen, welcher das war.
JK : Ich forsch das noch mal. Daran musste ich denken, als ich die Truckfighters hörte….
Wie sieht es überhaupt mit dem Design aus…T-Shirts

N: Ja, wir wollen das mehr forcieren. Wir stecken da grad noch nicht so viel Energie rein. JK: Gibt’s nicht einen Künstler, wo ihr sagt. Du bist es, cool, mach…
N: Ja, gibt’s, aber es hat Jahre gedauert, bis wir den fanden….
JK: Gewisse Vorstellungen?
N: Jedes Mal, wenn wir jemanden haben, lassen wir ihm komplett freie Hand…
So machen wir es auch mit den Musikvideos…wir lassen den Regisseuren freie Hand und sagen, mach was draus, geben aber keine Begrenzungen, oder Richtungen vor. Es soll aus dem Herzen kommen, Kunst sein…wenn man es delegiert, ist es keine Kunst mehr.
JK: Auch in eurem Sinne, im Sinne der Musik …
N: Grade dann, grade da…das wär ganz gegen unsere Richtung, wenn wir anfangen, einen Style vorzugeben…
Wir haben da einen Comiczeichner…er hatte ein Comic, das passte. Wir haben ihn danach gefragt.
JK: Er machte es neu für euch, oder war es schon da…
N: Es war eine existierende Geschichte, aber er machte für uns das neu.
JK: Ich bleibe beim Stil…die Cover sind alle sehr unterschiedlich…
N: Ja! Absicht!
JK: Also ist das Konzept mit den unterschiedlichen Covern der Platten?
N:Absolut, wir wollen verschiedene Themen und „Vibes“ haben, auch mit den Covern.
Soundlandschaften, Bilderwelten…das sich da angleicht.
Die ersten ähneln sich noch und dann haben wir uns gedacht. Das ist auch der Spaß dran, etwas komplett anderes zu machen. Wie mit der Musik: Immer wieder was neues, beziehungsweise sich ja zu entwickeln.
Und das Album jetzt ist ja auch sehr anders wieder…
Es macht keinen Spaß immer dasselbe zu tun, in der Kunst, wie in der Musik.
So sind die Truckfighters, immer sich verändernd. Vielleicht sogar nicht mal für alle Fans, aber für uns in jedem Fall.
Wir müssen das ja spüren, sonst könnten wir nicht so lang Musik zusammen machen.
JK: Mir fallen da als Beispiel grad nur die Stones ein, mit ihrem ewigen Aufguss.
N: Mein besonderes Beispiel sind für mich die Red Hot Chili Peppers, eine meiner absoluten Lieblingsbands damals. Sie machten dieses wunderbare Ding, Californication…was wirklich eines der besten Alben ist, meiner Meinung nach und dann….danach ..kam immer wieder dasselbe…wieder und wieder und wieder….langweilig. Unmöglich. Es ruinierte alles.
Da will ich nie enden, für keinen Preis und keinen Ruhm. Auch für keine Fans.
Ich will keine Angst davor haben, mal was zu verändern…was auszuprobieren. Das ist echt das Ende von Musik machen….
JK: Das Ende! Was würdest du machen, wenn du kein Musiker wärst. Was gäbe es als Alternative?
N: Das ist eine sehr gute Frage….Ich würde vielleicht Filme machen, oder ein Geschäftsmann werden. ..
JK: Oh, du kannst ja beides machen, der Geschäftsmann, der Filme macht, oder der Filmemachende Geschäftsmann…widerspricht sich nicht….
N: Waren meine Lieblingsfächer in der Schule, Tontechnik und Film…
JK: Film ist eine komplexe Sache, da ist die Story, das Schneiden, Regie…
N: Die Musik dazu….
JK: Was für eine Geschichte würdest du erzählen? Oder überhaupt, was für ein Stil?
(Total klar, im Übrigen)

N: Ich mag die Actionkomödie! Truckfighters , der Film, Actionmovie!!!
Ich will eigentlich wirklich noch einen machen, bevor ich sterbe…
JK: So Rodriguez –Style…
N: Ja, hab ich gesehen, dieses Double-Feature in dem Stil….wie heißt das?
JK: Grindhouse. ..Also so was……große, schnelle Autos…
N: Explosionen!
JK: Special Effects…
Hast du sonst irgendwelche Künstler, die du bewunderst. Gehst du auf Ausstellungen?

N: Nein. Ein Freund von mir, ein Snowboarder und Skater macht tolle Sachen. Malereien. Er ist jetzt echt ein Künstler. Den sollten wir fragen nach dem T-Shirt-Design. Wir haben ihn noch gar nicht gefragt….Ich such den mal(zückt sein Handy). Er ist toll.
Er heißt Schoph Schophield.(*)
JK: Wie?
N: Er heißt wirklich so. (buchstabiert ihn mir)
JK: Auf deutsch sieht der Name wirklich seltsam aus…Graffitti?
N: Nein, richtig gut. ( ..sucht weiter in seinem Handy…)
Ich werd dir ein Bild zeigen. Er hat Ausstellungen überall.
hier…
JK: Totenkopf-Stil. Aber durchaus filigran….
Magst du Comics?

N: Nein…ich bin nicht so sehr für Comics.
JK: Zu langsam? Kein Ton…
N: Exakt. Kein Sound…
JK: So denk ich mal, bist du auch nicht so sehr für Bücher…
N: Ich war mal, aber es ist lange her.
JK: Als du Musik angefangen hast, hast du die Bücher aufgegeben?
N:Oh, ich mochte die Bücher, aber irgendwann ist es zu viel auf einmal…und man braucht schon Ruhe.
JK: Und was…?
N: Ich mag Stephen King. Aber ich mag wirklich viele Bücher, aber es ist schon fast zehn Jahre her, dass ich mich damit beschäftigen konnte…
JK: Gestern sprach ich mit einem Musiker und Künstler hier aus Dresden und er malt unter anderem Cover für seine eigene Band und Vögel. Auf eine spezielle Art.
Ich verlinke euch jetzt mal.
….die Welt …ist voll von Bildern der Truckfighters, also mal mal einen Vogel.

N: Einen Vogel? Oh Gott, ich bin echt schlecht im Malen….
JK: Ich werds nicht benoten.
N: Wie sieht ein Vogel aus…?
(malt) Er sieht nicht so aus, aber er kann fliegen, ich versprechs….
JK: Netter Titel für einen nächsten Song….
N: Es ist nicht meine bevorzugte Form der Kunst…(verzweifelt) Musik ist meine Kunstform!
JK: Ich werds für den Artikel hier benutzen…
truckfighters_vogel
N: Oh…na dann verbesser ich noch was (der Vogel bekommt Haare und eine Signatur!)
JK: Jetzt ist es verbessert? Wundervoll!
Was war dein letztes Konzert, das du als Gast besucht hast?
N: Das war eine schwedische Band. Bombus…in Stockholm. Ich ging hin, weil es bei mir um die Ecke war.
JK: Was für Musik?
N: Metal, das klassische Zeug…Gut!
JK: Gibt es noch was, was du sagen möchtest. Unbedingt? Noch?
N: Nein, ich denke, das war ganz gut jetzt.
JK: Ja, denk ich auch! Machs gut!

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* Link zu Werken von Schoph

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