Im Urban Lifestyle ist kein Platz für Hartplatzhelden. Fußball jenseits der Arena ist Dorfsache

· 26.11.2013 · Keine Kommentare

Während das Profigeschäft und die Eliteförderung im Lande gedeihen wie nie zuvor, muss man sich um den Amateurfußball ernsthafte Sorgen machen. Insbesondere in den Großstädten. Das Perverse: Ein wichtiger Grund für den Niedergang des Fußballs ist: Der Fußball!

Fußball gucken ist cool. Fußball spielen eher nicht so… 

Fast 400.000 fußballbegeisterte Menschen besuchen mittlerweile jedes Wochenende allein die Spiele der Ersten Bundesliga. Das sind mehr als doppelt so viele wie 1990, als zu den Spielen der Bezirksoberligamannschaft des SV Nordenham noch regelmäßig 400 Besucher strömten. Dazu kommen 3,5 Mio. Sky-Abonnenten, die es sich lieber mit Kartoffelchips „rot-weiß“ auf der Couch gemütlich machen als mit Bratwurst an der Werbebande eines zerschlissenen Sportplatzes. Wer soll da noch Spiele der Bezirksliga besuchen?

6.822.233 Mitglieder und damit 22.105 mehr als im Vorjahr sind derzeit in den 21 Landesverbänden des DFB gemeldet„, strahlt der DFB auf seiner Website und verschweigt ein großes Problem, denn das Wachstum beruht fast nur auf Fans und nicht auf Spielern. Dynamo Dresden hat über 14.000 Mitglieder und ist damit der mitgliederstärkste Sportverein im Osten. Bei der SGD kicken tun davon allerdings die allerwenigsten! Und so musste DFB-Chef Niersbach neulich einräumen, dass bei den zehn- bis 14-Jährigen Besorgnis erregende 4.000 Mannschaften weniger gemeldet wurden als im Jahr zuvor.

Eishockey, Volleyball, Football, Basketball, Nordic Walking, Elbhangfest… 

Doch nicht nur der Profifußball ist eine Konkurrenz für den Amateursport in der Stadt.
Je größer eine Stadt, desto größer wird die Konkurrenz durch andere Sportarten und einem überschäumenden Angebot von Groß-Events jenseits des Sports. Eine „Lange Nacht der Fußgänger“ zöge wohl mittlerweile ein Mehrfaches an Besuchern als ein Oberligafußballspiel.  Mal ganz abgesehen vom Trend zu individuellen Freizeitgestaltung auf dem Joggingpfad oder im Wellness- & Fitness-Center. Neuer Tiefpunkt: 76 Zuschauer beim Spiel Westfalia Herne gegen Eintracht Rheine in der traditionsreichen Oberliga Nordwest.

Für Großstadt-Clubs aus der zweiten Reihe ist es so mittlerweile im Grunde unmöglich, wirtschaftlich zu arbeiten. Wo keine Zuschauer, da keine Sponsoren. Und ohne die Gelder von beiden, wird es immer nur um einen Abstiegskampf mit den anderen Betroffenen gehen.

Stand, Land, Zusammenschluss?

In Kleinstädten und auf dem „Land“ ist das vielleicht noch ein wenig anders. Der Fußballclub ist Teil der Lokalkultur, die Sponsoren sind Mittelständler aus dem Ort, die Konkurrenz um Zuschauer und Sponsoren überschaubar. Während in Dresden mittlerweile neben Dynamo, Eislöwen und den DSC-Damen auch die Monarchs und die Titans im Profisport Massen anlocken, können Auerbach (Regionalliga) oder Bautzen /Spitzenreiter der Oberliga) sich noch auf ein relativ treues Umfeld verlassen. Dafür haben diese Clubs oftmals Probleme, das sportliche Niveau durch den eigenen  Nachwuchs zu halten. Regionalliga-Niveau haben wohl die wenigsten A-Jugend Spieler in Bautzen oder Auerbach und die sinkenden Aktivenzahlen beim Nachwuchs entstehen wiederum auf dem Land.

Umso interessanter wird es, ob und wie wie künftig Clubs wie Fortuna Chemnitz oder der SC Borea Dresden, deren Männermannchaften sportlich (und kulturell) kaum noch eine Rolle spielen, mit den Regionalliga-Clubs aus der Provinz zusammenarbeiten.

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