Best of Iceland Airwaves 2013

· 15.11.2013 · Keine Kommentare

Iceland Airwaves 2013Zurück aus Island, den Post-Festivals Blues einigermaßen überstanden, die dicken Winterklamotten vorerst wieder weggepackt und die Unmenge an Eindrücken aus einer knappen Woche Live-Musik ganz langsam verdaut – Zeit, das Iceland Airwaves 2013 einer kleinen Nachbetrachtung zu unterziehen.

Bye bye FactoryKlar ist, wenn man so ein Festival wie das Airwaves wiederholt besucht, gilt es, die eine oder andere Veränderung zu bewältigen und die eigenen Erwartungen an der Realität abzuarbeiten. Man kennt das ja: Früher war immer alles besser und zu meckern findet sich immer was, so ist das natürlich auch in Island. Seit meinem ersten Besuch 2011 hat Reykjavík und damit auch das Iceland Airwaves zwei sehr liebgewonnene Clubs eingebüßt: Nasa und Factory. Beide Clubs mussten der höhere Gewinne versprechenden Nachfrage an Hotelbetten weichen, sind für Veranstaltungen geschlossen, stehen aber noch. Um die fehlenden Kapazitäten zu kompensieren, findet ein Großteil der offiziellen Konzerte inzwischen in der schnieken Harpa statt. Das moderne, funktionale Konzerthaus funktioniert wohl, vor allem was die Soundqualität betrifft, wird jedoch immer gegen die gemütlich-kuscheligen und vor allem szenigen Venues wie Iðnó, Gamli Gaukurinn oder eben Nasa und Factory (R.I.P.) verlieren, wenn es um Atmosphäre geht. Am Sonntag, dem letzten Tag des Iceland Airwaves, blieb die Harpa allerdings auch in diesem Jahr für Airwaves-Shows geschlossen. Lediglich das Konzert von Kraftwerk, für das jedoch ein extra Ticket benötigt wurde, fand am Sonntag im gläsernen Konzerthaus statt. Alle übrigen Airwaves-Gänger, die noch in der Stadt und auf der Suche nach der richtigen Abschluss-Show für ihr Airwaves 2013 waren, mussten sich auf ein paar wenige, genau genommen drei, offizielle Venues verteilen. Keine glückliche Lösung für den letzten Abend eines Festivals, den viele Besucher in den langen Schlangen vor den drei Clubs verbracht haben dürften.

Verschwunden war in diesem Jahr leider auch der Blue Lagoon Chill, der Samstagsausflug zur Blauen Lagune, bei dem im warmen Wasser mit Konterdrinks zu Livemusik geplanscht, entspannt und getanzt wurde. Stattdessen gab es in der Blauen Lagune vier Einzelevents, die zum Paket-Preis von je 69 € (inklusive Transfer, Eintritt, Live-Musik und Essen) gebucht werden konnten.

Off-Venue Show Das Off-Venue Programm dagegen hat mächtig zugelegt und versprach mit mehr als 600 Konzerten in 48 Off-Venues, darunter Klamotten-, Buch- und Plattenläden, Hostels und Kneipen wohl die interessantesten Musiker-Venue-Konstellationen, intime Konzertatmosphäre und die spannendsten musikalischen Neuentdeckungen. Das beste: Für die Off-Venue Shows braucht man keinen Festivalpass. Eher schwierig: Die heißesten Acts auszumachen und die ganzen Venues auch zu finden. Papier sparen ist ein sehr nobles Anliegen, benachteiligt aber all jene, die sich nicht so gut in Reykjavík auskennen, kein Smartphone haben, deren (Telefon-)Akku alle ist, oder denen die Iceland Airwaves-App ständig abstürzt.

Was die musikalischen Neuentdeckungen angeht, musste ich in diesem, meinem dritten Airwaves-Jahr erkennen und einsehen: Auch die isländische Musikszene ist nicht unerschöpflich. Wenn man sich über einen gewissen Zeitraum damit auseinandersetzt, kommt irgendwann der Punkt, an dem sich sehr vieles wiederholt und wirklich neue Neuentdeckungen fast gar nicht mehr möglich sind. Dennoch hatte auch mein Iceland Airwaves 2013 ein paar kleine, eher eigenwillige, Highlights. Hier meine Top 4:

Sign

Sign "in a box"Sign spielten am Abend vor dem offiziellen Start des Iceland Airwaves eine Show „in a box“, waren damit meine Einstiegsband ins Airwaves 2013 und gleich ein Volltreffer. (Schaut mal, wer da am Schlagzeug sitzt!) Ich hatte ja keine Ahnung, dass auch nach der Trennung von Sebastian Bach und Skid Row noch solche Musik existiert und vor allem noch immer so viel Spaß macht. Bitte unverzüglich auf Deutschlandtour holen!

 


Emmsjé Gauti

Emmsjé Gauti feat. Unnsteinn ManuelWas ein Typ! Mit seinem isländischen Raps stehen die Chancen wohl schlecht, die wahnsinnige Show dieses Energiebündels jemals abseits der Insel zu erleben. Das Konzert von Emmsjé Gauti mit seiner Live-Band aus 3/4 Agent Fresco und 2/7 Retro Stefson (mit den ganzen isländischen Namen könnt ihr doch eh nix anfangen!) war ein absolutes Highlight!

 


Byrta

It's music everywhere - Byrta im KlamottenshopByrta ist das neue Projekt der beiden färöerischen Musiker Guðrið Hansdóttir und Janus Rasmussen (Bloodgroup, Kiasmos). Auch wenn ich es jetzt im Nachhören eher langweilig finde, in der Live-Umsetzung, unterstützt von Background-Sängern (darunter Sunna Margrét Þórisdóttir von Bloodgroup) und Heðin Ziska Davidsen (Marius Ziska) an der Gitarre, hat die Kombination aus sehr tanzbaren Beats und der eigenwilligen färöerischen Sprache visuell und musikalisch gut unterhalten.

 

Halleluwah

Elefenmusik - HalleluwahMit der ausgebildeten Jazz-Sängerin Raketa auf der kleinen Off-Venue Bühne wurde es den anwesenden Jungs auf einmal ganz warm ums, äh, Herz. Kein Wunder, das Mädel hat diese typisch isländische Elfenwirkung, zuckersüß und unwiderstehlich verführerisch. Auch die Musik des Duos Halleluwah wirkt elfenartig und so wenig greifbar, dass man immer wieder hinhören muss. Im Live-Set lassen sich Produzent und Drummer Sölvi Blöndal und Sängerin Raketa von einem zweiten Drummer unterstützen. „Warum nur ein Drummer, wenn man auch zwei haben kann?!“

 

 
Agent Fresco mit neuen SongsUnd sonst so? Agent Fresco haben zwei, drei neue Songs, Samaris haben immer noch nicht ganz das Zeug, eine wirklich große Bühne zu füllen, die gehypten Vök klingen wie eine wenig innovative Mischung aus Samaris und Fever Ray, Bloodgroup haben jetzt einen Schlagzeuger (Spitzenidee!), von allem am besten tanzen kann Berndsen und Hermigervill rockt, rockt, rockt!

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