Kinderfotos auf Facebook: Die Wahrheit zwischen Naivität und Paranoia liegt im Motiv

· 18.07.2013 · 3 Kommentare

Es wurde endlich heiß im Sommer 2013. Planschbecken eroberten die Vorgärten deutscher Reihenhaussiedlungen und mit ihnen das eine oder andere Foto nur mit Badehosen bekleideter Kleinkinder auf Facebook. Rechtsanwalt Schäfer, der beruflich (nach eigenen Angaben) viel mit Mobbing-Opfern zu tun hat, stieß das sauer auf. Kurzentschlossen veröffentlichte er ein Kurzpamphlet auf seiner bis dato sehr grauen und inaktiven Facebookseite. Seine ebenso richtige wie wichtige Kernthese:

Seid bitte extrem vorsichtig bei der Auswahl der Motive und den Privatsphäreeinstellungen.

Doch Inhalt und Auslegung liegen halt sehr oft sehr weit auseinander und der Text wurde zur Sommerloch-Bibel derjenigen, die Kinderfotos auf Facebook ganz und gar ablehnen. Unglaubliche 75.000 Mal wurde der (wahrlich nicht gerade gut argumentierte oder wenigstens flüssig geschriebene) Text bis heute geteilt und in über 4.000 Kommentaren wurde den Menschen, die Fotos ihrer Kinder auf Facebook teilen, mal so richtig der Kopf gewaschen. Naivität und fehlendes Verantwortungsgefühl waren noch die nettesten Vorwürfe. Natürlich verletze man die Persönlichkeitsrechte der Kids aufs schwerste und liefere Pädophilen Wichsvorlagen. Ganz besonders aber setze man das Kind dem Risiko aus, wegen seiner Fotos gemobbt zu werden.

Als jemand, der durchaus gelegentlich Fotos seiner Kinder auf Facebook teilt, beschäftigt mich das Thema (und die Heftigkeit der Gegner) auch zwei Wochen später noch.

Wer ist denn hier wie naiv? Derjenige, der Fotos seiner Kinder hochlädt? Oder derjenige, der wirklich denkt, man könne seine Kinder schützen, indem man es nicht tut? Wie rational sind die Argumente der Gegner? Oder ist hier wirklich, wie Jan neulich vermutete, die Angst vor dem bösen Blick im Spiel?

„Fakt“ ist doch:

1. Kein halbwegs normales Elternteil lädt Bilder hoch, die das Kind nicht im besten Licht erscheinen lassen. Wo sind denn die vollgepullerten Unterhosen und die dicken Kinder von Landau nackt am Tresen? Wer ist denn so bescheuert? Also wer außer den 25 Mitschülern Deines Kindes, die noch auf der Grundschule mit Fotohandy samt Internetzugang bewaffnet werden?

Merke: Du kannst nicht verhindern, dass bekloppte Fotos Deines Kindes im Netz landen, indem Du keine hübschen Fotos Deines Kindes hochlädst.

2. Immer noch lieber zehn Fotos, die Deinen Sohn in Badehose zeigen, wie er vom Dreier springt, als ein reiner Text-Status, in dem steht, dass er sich nicht getraut hat!

Merke: Mobbing hat nix mit Fotos zu tun sondern mit Gerüchten, Vorurteilen und Geschichten. Im Gegenteil: Lieber zwei schicke Fotos als ein peinlicher Text!

3. Was glaubst Du, was einfacher ist: Auf Facebook Fotos von kleinen Kindern in Badehosen zu finden oder Fotos von kleinen Kindern in Badehosen im Freibad zu machen? Gehst Du auch nicht mehr ins Freibad? Oder nur im Neoprenanzug? Nein, Du gehst ins Freibad und Du ziehst Deinem Sohn dort im schlimmsten Fall eine zu enge Aldi-Badehosen an, aber ausgerechnet Du willst mir was über Persönlichkeitsrechte erzählen…

4. Wie stark sind denn die Persönlichkeitsrechte Deines Kindes? Hat es sich die Schule, den Ranzen, das Hemd für die Einschulung wirklich selber ausgewählt? Hat es selbst entschieden, ob der Schulfotograf ein Foto macht und ob es den Ethikunterricht oder Religion besucht? Darf es den Bürgermeister wählen? Und vor allem: Durfte es sich seinen Namen aussuchen oder hast Du sie für mindestens die ersten 18 Jahre ihres Lebens mit dem Namen Davina Shakira Haferkamp-Strunz gestraft? Wir entscheiden für unsere Kinder und müssen dabei Verantwortung übernehmen! Bei der Namenswahl, bei der Klamottenwahl und bei der Auswahl der Fotos, die wir dem Internet preisgeben.

Merke: Es geht nicht um Ja oder Nein sondern um das Wie und um das Motiv!

Es spricht nicht viel dagegen, Fotos seiner Kinder auf Facebook zu teilen. Das Motiv sollte mit der selben Vorsicht und dem selben Respekt ausgewählt werden, die man an seine eigenen Fotos stellt. Die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook sollten gut überlegt sein (je mehr Freund, desto sorgfältiger).

PS:

Kinderfotos2

Und ein bisschen geht es auch um eine konsequente Haltung. Die Anzahl der Doppelmoralapostel im besagten Falle ist wirklich überraschend hoch. Da finden sich Kinderfotogegner unter den eigenen Facebookfreunden, die aber die letzten drei Fotos unserer jüngsten Sprosses geliked haben.

Kinderfotos1

Und dann finden sich unter den begeisterten Kommentaren unter dem Artikel vom Anwalt auch Damen (vor allem) wie diese….

 

twitter share buttonFacebook Share
  • Pingback: Digitales Elternsein | Jans Wolke.()

  • sarah

    Ich empfehle dir einen Besuch der Seite „jungsforum“. Lies, wie sich die Pädos an selbst harmlosesten Bildern und Videos von Kindern ergötzen. Und dann wirst du begreifen.

    • Was werde ich dann begreifen? Und wen scchütze ich? Meine Kinder oder die Pädophilen? Lies meinen Text, dann wirst Du meine Sicht begreifen.