SPOT Festival 2013 – Eine Zusammenfassung

· 09.05.2013 · Keine Kommentare

SPOT FestivalAuch in diesem Jahr war das SPOT Festival ein voller Erfolg, musikalisch, menschlich und (neben)beruflich. Mit insgesamt etwa 4500 Besuchern, davon etwa 1000 Delegierten der Musikindustrie und Medien, lag das kleine Festival im wunderschönen Städtchen Aarhus knapp 500 Tickets unter ausverkauft.

Die beste SPOT-Erfahrung beginnt schon auf der Fahrt mit einem der Delegierten-Busse aus Berlin, Köln oder Utrecht über Hamburg. Im launigen Klassenfahrtflair lassen sich Bekanntschaften aus dem letzten Jahr auffrischen, neue Gesichter längst bekannten Namen zuordnen und ganz neue Kontakte knüpfen, um alsbald musikalische Empfehlungen für die kommenden zwei Tage auszutauschen und Pläne zu schmieden.
In diesem Jahr wurde die Busfahrt von Studenten des Studiengangs Music Management der Royal Danish Academy of Music betreut, die auf diese Art aus erster Hand erfahren, was die Delegierten bewegt, was schon gut läuft und was es noch zu verbessern gilt. Musikbusiness und vor allem Musikexport ist den Dänen eine äußerst wichtige Angelegenheit.

Die Dänen lernen gut, die Dänen verbessern schnell. Ein optimiertes Konzept für die Einlasspolitik zu den Shows sorgte in diesem Jahr dafür, dass es auf dem SPOT Festival noch sehr viel gelassener zuging: Im Gegensatz zum letzten Jahr musste das Publikum die Spielstätten nach dem Ende einer Show nicht verlassen. So war es möglich, sehr begehrte Acts einfach abzuwarten, bei der Gelegenheit außerplanmäßige Programmpunkte mitzunehmen und die Bands nach ihren Auftritten auf der Bühne für Fragen oder einen kurzen Kontaktaustausch abzufangen. Entspannte Laune also wohin man sah, Sonnenschein und aller paar Schritte ein bekanntes Gesicht. SPOT Festival fühlt sich eben auch ein bisschen an, wie ein großes Familien- und Freundefest.
Jacob Bundsgaard, der Bürgermeister von Aarhus, heißt die Delegierten im Rathaus willkommen (Foto: Allan Niss)Der Frühstücks-Empfang der Delegierten im Rathaus von Aarhus hat im Vergleich zum letzten Jahr kulinarisch ein wenig abgespeckt. Macht aber gar nichts! Networking und Socializing funktionieren auch ganz wunderbar ohne sich am Sektglas festzuhalten, mit Croissantkrümeln im Mundwinkel und Schokolade im Gesicht.

Neben allem Businesskram, ist das Herzstück des Festivals natürlich die Musik mit ihrem Fokus auf den vielversprechendsten Newcomern der dänischen Musikszene und der mehr oder weniger angrenzenden Nachbarländer Schweden, Norwegen, Island, der Färöern und (ganz wenig) Finnland.

Highlights

Lulu Rouge – Torsten Jacobsen und Thomas Bertelsen, das dänische Produzenten-Duo stimmungsvoller Electrobeats, geht live absolut nach vorne und sorgte mit ausgelassen tanzenden Gastvokalisten Asbjørn, Fanney Osk (Kúra) und Mikael Simpson für große Freude im Publikum. Das aktuelle zweite Album »The Song Is In The Drum« ist gerade erschienen und wird hier demnächst noch mal gesondert vorgestellt.
Lulu Rouge feat. Fanney Osk, Asbjørn und Mikael Simpson

 
So-so EchoSo-so Echo – was ist dran an dem Hype um das Projekt der beiden Alcoholic Faith Mission Mitglieder Sune Sølund und Thorben Seierø Jensen und der dänischen Überalldabei-Sängerin Jenny Rossander aka Lydmor? Auf jeden Fall tolle Songs und eine sehr expressive Live-Show. Mir war es stellenweise ein wenig zu aufgesetzt. Das erscheint mir vor allem im Zusammenhang mit dem Hintergrundwissen interessant, dass Jenny die Songs von So-so Echo nur singt und nicht selbst geschrieben hat.

 
Bottled In England (Afterparty Show) – ja, Bottled In England müssen schon wieder erwähnt werden, denn es überrascht mich, dass sie es mit ihrer wahnsinnigen Live-Energie immer und immer wieder schaffen, mich zu bewegen. Dazu kam einer dieser magischen SPOT-Momente, das Konzert gemeinsam mit der ebenso ausgelassen tanzenden Mutter von Gastsängerin Lydmor zu feiern.

 
Cancer – Das brandneue Projekt um Nikolaj Manuel Vonsild (When Saints Go Machine) and Kristian Finne Kristensen (Chorus Grant) macht äußerst atmosphärischen Post-Electro-Rock-Irgendwas-Sound mit grandioser Stimm-Kombi. Auch auf ausdrückliche Nachfrage beim Label gibt es (noch) keine Hörbeispiele.

 
Bon Homme feat. LydmorBon Homme (Special Show auf dem Nachmittagsempfang von Volcano) – Electro/Dance/Techno/Pop-Soloprojekt des WhoMadeWho Sängers und Bassisten Tomas Høffding. Geht live enorm nach vorn und dürfte zu einem angemesseneren Zeitpunkt für mächtig Partystimmung sorgen. In Kombination mit Gastsängerin Lydmor äußerst bezaubernd! Tomas hat mir vor der Show ein paar Fragen beantwortet, mehr dazu also bald!

Überraschungen

BloodgroupBloodgroup – Die Isländer haben sich gemacht! Weg vom Gute Laune-Party EBM hin zu ausgereifterem Sound, toller Atmosphäre und Professionalität. Wunderbares Konzert, das leider (nicht nur auf dem SPOT) auf viel zu wenig Resonanz stieß.

 
Asgeir TraustiÁsgeir Trausti – Der isländische Jungspund sorgt derzeit für einige Aufreger, weil er die Lyrics seiner isländischen Popsongs gerade – in Zusammenarbeit mit John Grant – ins Englische übersetzt. Ein paar der bereits übersetzten Songs spielte er auch auf dem SPOT. Nachdem mir Ásgeir zuvor im Interview ein paar Fragen dazu beantwortet hat, macht das für mich alles durchaus Sinn und ich verstehe die Aufregung nicht (mehr). Demnächst auch dazu mehr …

Enttäuschungen

HighasakiteHighasakite – die Norweger finden alle gut, sogar Justin Vernon. Ich hab’s auf dem SPOT schon zum zweiten Mal versucht, aber es ist und bleibt mir zu verspielt, zu viele Federn, zu viele Lämpchen, zu viel Kapuze, Schnickschnack und Theater.

 
CTM – Cæcilie Trier konnte mich mit einer sehr langweiligen Show im äußerst mäßig gefüllten, großen Saal des Musikhuset so gar nicht begeistern

 
Dinner – Ein Typ wirft sich ein Handtuch über den Kopf und wedelt es samt seiner selbst zu Konservenmusik und Joy Division-Stimme über die Bühne. Ist bestimmt Kunst. Kann weg.

Unter Beobachtung/Tipps/leider verpasst

Go Go BerlinGo Go Berlin, When Saints Go Machine, Broken Twin, Turboweekend, Broke, Complexity

Fazit

Das SPOT war auch in diesem Jahr der denkbar schönste Auftakt zur Festivalsaison. Und: Es wird wieder mehr gerockt. Der Electropop, der mich im vergangenen Jahr so begeistert und bis heute nicht mehr losgelassen hat, scheint allmählich härteren Gitarrensounds zu weichen. Das absolute Mega-Highlight habe ich in diesem Jahr nicht für mich entdeckt. Entweder habe ich mich für die falschen Acts entschieden, oder …

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