Sin Fang und Pascal Pinon – Chaotischer Tourauftakt in Hamburg

· 18.05.2013 · Keine Kommentare
18. Mai 2013
21:00 Uhr
Schaubühne Lindenfels, Leipzig
AK: 15,- | VVK: 12,- zzgl. Geb.
19. Mai 2013
21:00 Uhr
scheune, Dresden
AK: 15,- | VVK: 12,- zzgl. Geb.

Seit einigen Wochen fallen mit erstaunlicher Regelmäßigkeit isländische Bands über Veranstaltungsorte in deutschen Städten her. Innerhalb kürzester Zeit spielten Retro Stefson und Hermigervill, Borko, Bloodgroup und Sóley in Hamburg, seit gestern sind Sin Fang und Pascal Pinon auf Deutschlandtour und nächste Woche freuen wir uns mächtig auf Ólafur Arnalds.

Dass so viele isländische Bands außerhalb von Island unterwegs sind, könnte etwas damit zu tun haben, dass die isländische Fluggesellschaft Iceland Air alle Künstler unterstützt, die auf dem Iceland Airwaves Festival Ende Oktober in Reykjavík auftreten, erzählte Arnljótur Sigurðsson, der bei Sin Fang und Ojba Rasta in die Basssaiten greift. Nach einem Auftritt auf dem Iceland Airwaves haben die Künstler ein Jahr lang Zeit, sich für gesponserte Flugtickets zu bewerben, um Konzerte außerhalb Islands zu spielen. Ein weiterer Grund, der die Isländer dazu bewegen könnte, vermehrt außerhalb ihrer Heimat zu spielen, erzählt Arnljótur weiter, wäre sicher auch, dass man ja nicht aller drei Tage ein Konzert in Reykjavík spielen könne bzw. möchte.

Egal, woran es liegt, gut, dass es so ist und wir deshalb immer wieder über bekannte Gesichter mit unaussprechbaren Namen stolpern dürfen – interviewt man einmal eine Band aus Island, unterhält man sich zeitgleich mit mindestens einem Mitglied, wenigstens aber dem Bruder, der Freundin oder dem besten Kumpel eines der Mitglieder jeder anderen isländischen Kombo. Bei Sin Fang sitzt Magnús „Maggi“ Trygvason Eliassen am Schlagzeug, der König von Tilbury werden wird, außerdem noch mit Snorri Helgason unterwegs ist und meistens auch mit Borko. Auf dieser Tour mit Sin Fang, erzählt er, habe er sich fest vorgenommen, sich keine Verletzung zuzuziehen, um nicht wieder so viel Geld bei deutschen Ärzten zu lassen.

Warum wir gesten so viel Zeit mit Schwatzen verbracht haben und ich jetzt auch weiß, wer sich hinter der Maske des isländischen Hip-Hop Künstlers Gabríel verbirgt? (Pssst, aus Sin Fang Kreisen ist es keiner!) Der gestrige Abend in Hamburg hatte weit mehr mit Hip-Hop zu tun, als es von einem Sin Fang Konzert zu erwarten war. Der Abend begann … ohne Support. Die Zwillingsschwestern Ásthildur und Jófríður Ákadóttir aka Pascal Pinon hatten vor Tourstart wohl noch ein paar Klassenarbeiten zu schreiben und befanden sich aufgrund weiterer widriger Umstände noch auf der Autobahn, als sie längst auf der Bühne stehen sollten.

Sin Fang (Foto: wackelige Handycam)Gut eine Stunde später als geplant, eröffneten also Sin Fang den Abend. Ich bin zugegebenermaßen kein großer Fan von Sin Fangs Musik, die mir mit ihren experimentellen, unklar gehaltenen Strukturen immer zu wenig greifbar geblieben ist. Genau wie Mastermind Sindri Már Sigfússon selbst, der mit seinem unbeweglichen Gesichtsausdruck immer gelangweilt wirkt. Eine Stimmung, die sich auf Sin Fang Konzerten bislang auch auf mich übertragen hat. Gestern in Hamburg kam jedoch alles anders: What’s wrong with my eyes, Sindri kann ja doch lächeln?! Und beim Song Young Boys vom neuen Album Flowers, passierte dann auf einmal etwas. Es hatte wohl mit Percussions zu tun und damit, dass sich die gesamte Band am Backgroundgesang beteiligte und plötzlich alles sehr bewegend und damit eben doch greifbar wurde.

Pascal Pinon verspäteten sich immer weiter, also improvisierte Sindri noch zwei Songs solo am Keyboard und unterhielt das Publikum anschließend als DJ, unter anderem – wie zuvor angekündigt – mit flotten Hip-Hop Beats, yo man!
Pascal Pinon (Foto: wackelige Handycam)Als hätten es Pascal Pinon, die es schließlich doch noch auf die Bühne schafften, mit den Ereignissen ihres Tages nicht schon schwer genug gehabt, mussten sie nun auch noch von Hip-Hop auf zarten Abendausklang überleiten, runterkühlen statt aufwärmen. Als Fan von Samaris, dem anderen Projekt von Sängerin Jófríður Ákadóttir, bin ich ihrer besonderen Stimme verfallen, die im Zusammenspiel mit der zweiten und zurückhaltenderen Stimme ihrer ebenfalls zurückhaltenderen Schwester Ásthildur eine ganz wunderbare Atmosphäre erzeugt. Die Songs der beiden Schwestern, teils auf Isländisch, teils auf Englisch vorgetragen, wirken entrückt, zerbrechlich und – ihrem zarten Alter von 18 Jahren angemessen – manchmal unbeholfen naiv. Für die lange Wartezeit revanchierten sich Pascal Pinon mit einer improvisierten, zweiten Zugabe voller Verspieler und charmanter Entschuldigungen dafür. Zucker!

twitter share buttonFacebook Share