Interview: Hannes Smith über das neue Album »Maerchensee«

28. Dezember 2012
20:30 Uhr
Thalia, Dresden
Infos

Von Laura Thiele
Fotografie: Paul Tralles

 
Hannes Smith (Foto: Paul Tralles)Auf deiner Homepage steht, dass du ein Dancefloor-Romantiker bist. Was macht einen Tanzflächen-Romantiker so aus?
Der Begriff ist eigentlich durch einen Kumpel entstanden, der mal einen Promotext für eine Veranstaltung geschrieben hat. Und da stand das Wort drin. Er meinte damals, dass ich die Herzen berühre, weil meine Musik viele Gefühle transportiert. Den Wortlaut habe ich dann übernommen. Ich finde auch, dass Musik Bilder erzeugt und natürlich von Gefühlen lebt und diese Bilder soll meine Musik weitergeben natürlich.

 
Wovon lässt du dich inspirieren?
Von eigenen Lebensgeschichten. Beim Schreiben lasse ich mich meist davon beeinflussen. Vor allem bei diesem Album hatten alte Lebensgeschichten, über die ich noch nie so richtig nachgedacht habe, einen großen Einfluss und ich konnte damit abschließen. Aber auch Momente, die ich vom Spielen mit ins Studio nehme. Freunde und Familie spielen auch eine wichtige Rolle und andere Musik.

 
Du hast zwei Jahre lang in Reykjavík gelebt. Welche Einflüsse hast du mitgenommen?
Ich habe gelernt, Dinge einfach passieren zu lassen und zu akzeptieren, dass es nicht wichtig ist, sich beim Produzieren an alle Regeln zu halten und außerdem, die Drucksetzung wegzulassen. Offenheit ist das große Schlagwort. Dinge passen nicht alle in eine Stilrichtung und in Island gibt es keine so gepolten Szenen wie hier. Dort macht jeder mal mit jedem Musik.

http://vimeo.com/35839476

 
Jetzt wohnst und arbeitest du aber wieder in Berlin. Was gibt dir die Stadt?
Berlin ist natürlich ganz anders und hat mir sehr weitergeholfen, selbstständig an meiner Musik zu arbeiten. Berlin macht so vieles möglich und wenn du das willst, kannst du auch ziemlich schnell was erreichen. Mit der Offenheit die ich aus Island mitgenommen habe, schöpfe ich hier viele Dinge aus. In Berlin kannst du zu jeder Tageszeit alles machen. Das ist zwar gefährlich, aber auch förderlich. Es geht unheimlich schnell unter vielen Leuten zu sein, genauso wie sich schnell alleine zu fühlen und das ist für’s Schreiben sehr hilfreich.

 
Was unterscheidet dein Debütalbum von deinen letzten Produktionen?
Das Album ist mehr ich. Viele werden überrascht sein, weil es nicht mehr so das ist, was sie bisher von mir kannten. Die Leute werden mich schon noch wiedererkennen, aber es gibt jetzt viel mehr Songstrukturen, mehr Stimme. Ich singe in fast jedem Lied. Ich finde, das Singen drückt mehr Charakter rein und so lassen sich die Geschichten besser transportieren.

 

Das Konzert am 28.12. in Dresden anlässlich deines Albums »Maerchensee« steht unter dem Namen »The two Faces of Hannes Smith«. Wie sehen deine zwei Gesichter genau aus?
Damit ist einmal meine etwas ruhigere Seite gemeint, die sich während des Konzerts mit der Band zeigen wird, also während ich mein Album präsentiere. Zur Aftershowparty gibt es dann die tanzbareren Sachen, die die meisten, die mich kennen aus den Clubs gewohnt sind. Außerdem wird die visuelle Untermalung von Roman Heller zu sehen sein (Armitage.tv). Mit ihm arbeite ich schon seit zwei Jahren zusammen und er hat extra für das Konzert ein eigenes Videokonzept entworfen, welches von Anfang bis Ende des Konzerts seine eigene Geschichte erzählen wird. Dafür ist er in die Wälder Berlins gefahren, um speziell Bilder, die in diesem ‚Stummfilm‘ erzählt werden sollen, aufzunehmen.

 
Was hat dich zum Namen deiner ersten Scheibe veranlasst?
Im Dorf meiner Eltern bin ich über den Namen gestolpert, als wir an einem alten Steinbruch im Wald vorbeikamen. Ich habe dort einen Großteil meiner Kindheit verbracht, Erinnerungen an die Jugendliebe und so weiter. Dieser Steinbruch heißt »Märchensee«. Und das Album soll ebenso wie ein Märchen eine Geschichte erzählen. Das Wort See habe ich mir als Ausdruck dafür genommen, dass meine Musik sehr offen ist. Und dann dachte ich auch noch: Okay, wenn die Lieder schon kein wirkliches Konzept haben, dann wenigstens ihre Namen. Persee, Jenesee, Ikansee, Wannsee…

 
In Zusammenarbeit mit der kanadischen Cellistin Veroníque hast du inzwischen und vor allem für das Album viele Tracks aufgenommen. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Eigentlich haben wir uns über Couchsurfing kennen gelernt. Sie wollte mal nach Reykjavík, das hat dann aber nicht geklappt. Per Mail-Kontakt haben wir aber festgestellt, dass wir beide Musik machen und dann haben wir angefangen uns Dateien hin und her zu schicken und daraus sind die ersten kleinen Projekte entstanden. Seit drei Jahren machen wir das jetzt schon so. Ich lasse ihr dabei immer viel Freiheit. Sie soll ihr Gefühl genau so reinpacken wie ich meins. Und dann entscheide ich nur noch welche Parts ich einfließen lasse.

 
Wie produziert man heute als Independent-Künstler? Du machst ja fast alles alleine…
Der größte Teil passiert zu Hause. Ein Studio gibt es nicht. Ich schreibe auch mal im Zug. Jetzt zum Schluss hat eine Kollegin alles auf die gleiche Lautstärke gebracht. Dann geht natürlich viel über Internetaustausch. Ich bin quasi mein eigenes kleines Label. Die CDs vertreibe ich auch selbst. Wenn ich dann irgendwann alle bisherigen Ausgaben gedeckt habe, würde ich auch gerne paar Kopien auf Platte ziehen lassen. Aber das ist noch große Zukunftsmusik.

 
Wie machst du auf deine Musik aufmerksam?
Viel über Facebook. Ich habe aber auch einen E-Mail Verteiler, wo man sich einschreiben kann und dann erfährt, was es so neues gibt. Soundcloud nutze ich viel, dann über meine Auftritte. Ich habe schließlich keine Promo-Agentur, die sich darum kümmert.

Na dann wünschen wir dir viel Erfolg auf deinem Weg!
Vielen Dank für das Gespräch. Wir sehen uns am Freitag.

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