Reptile Youth: I hit a really big wave

· 15.11.2012 · Keine Kommentare
26. November 2012
21:00 Uhr
Beatpol, Dresden
VVK ab 16,30 €
Verlosung

Wenn Mads Daamsgard Kristiansen vor Publikum auf einer Bühne steht, wird er zu diesem wilden Tier, das man Rampensau nennt. Jedes Konzert von Reptile Youth ist eine körperliche Herausforderung, vor allem für Mads selbst. Er klettert und hangelt sich an allem entlang, was einigermaßen standhalten könnte, lässt sich wieder runterfallen oder springt gleich ins Publikum und präsentiert anschließend auf Facebook die davongetragenen Blessuren. Während sich Esben Valløe eher den Techniknerd des dänischen Duos gibt, lässt Mads auf der Bühne alles raus und betrachtet das als seine Form der Therapie, lebt diese verrückten Momente, um sich seine geistige Gesundheit zu erhalten.

Auf ihrer umfangreichen Europatour kommen Reptile Youth am 26.11. auch im Beatpol in Dresden vorbei. Wir verlosen 2×2 Tickets unter allen, die bis 22.11., 22:12 Uhr eine E-Mail an redaktion[@]mittelstern[.]de schicken und uns ihr verrücktestes/beeindruckenstes/merkwürdigstes Konzerterlebnis vor Reptile Youth in Dresden verraten.

Reptile Youth Foto: Kenneth NguyenBei so viel wilder Action auf den Konzerten, gerät die Musik schon mal ins Abseits. Zumindest ging es mir bisher so. Nachdem ich Reptile Youth auf dem SPOT Festival in Århus, und auf dem Reeperbahn Festival in Hamburg im jeweils mehr oder minder wachen Zustand als megagehypt erlebt und (noch) nicht ganz verstanden habe, warum ihre Shows süchtig machen, war ich von ihrem Debüt mehr als überrascht. Mit so einem großartigen Album habe ich nicht gerechnet. Mads schreibt dazu:

»Es ist ganz normal, Musik auch mit den Augen wahrzunehmen. Ich glaube nicht, dass daran was falsch ist. Ein Konzert ist so viel mehr als nur Musik. Aber wenn die Musik nichts in dir bewegt, kann ein Konzert niemals magisch sein.
Ich selbst höre mir das Album gar nicht mehr an. Ich habe so viel Zeit mit jedem der Songs verbracht, dass ich Angst davor habe, eines Morgens aufzuwachen und sie nicht mehr mit der notwendigen Wahrhaftigkeit spielen zu können.«

Mads und Esben haben es geschafft, diese Wahrhaftigkeit und die Energie ihrer Liveshows auf Reptile Youth in fesselnden Songs mit hintergründigen Texten einzufangen und festzuhalten.

»Alle meine Lyrics sind Portraits von Gefühlen, die ich durchlebt habe. Wahre Bilder meines Geistes. Nichts mehr, nichts weniger.«

Auch in Mads steckt also sehr viel mehr als „nur“ ein wahnsinnig(er) großartiger Sänger mit überragender sportlicher Ausdauer. Von Electrobeats über Punk/Rock-Gitarrenschrammeln bis zu „Psychedelic Sixties Soul“ geht es auf Reptile Youth um die Suche nach dem Weg. Dieser wird etappenweise mal ausgelassen hüpfend, dann wieder gedankenverhangen dahintreibend zurückgelegt und wirft an seinen Gabelungen immer wieder den Wunsch auf, geführt und gleitet zu werden. Am Ende lässt Reptile Youth ein positives, optimistisches Gefühl zurück. Hat Mads seinen Weg also gefunden?

»Ich denke schon, bin mir aber niemals richtig sicher. Für mich passiert alles in Wellen. Krieg oder Feiern. Ich bin die ultimative Sinuskurve.
Vielleicht habe ich den Weg noch nicht gefunden, bin aber gerade dabei. Macht das Sinn? Ich habe eine Liste gemacht mit Dingen, die mich glücklich machen und mit denen, die mich traurig machen. Ich habe gehört, dass die Entfernung, die es braucht um deinen Geist runterzuziehen, genau die ist, die es braucht, um sich wieder aufzurichten. Ich glaube, da ist was dran.«

Reptile Youth hießen von 2009 bis Anfang dieses Jahres Reptile and Retard und noch bevor sie daran dachten, Songs zu veröffentlichen, gingen sie erst mal in China auf Tour, um Rockstars zu werden.

Reptile Youth Foto: Lasse Dearman»Wir hatten ein bisschen was gespart und die ganze Sache war sehr low-budget und do-it-yourself. Es war ein absurder Gedanke, den wir wirklich unbedingt ausprobieren wollten. Die Idee schien genau falsch genug zu sein, um uns beide zu reizen.«

Auch in Europa begeisterten Reptile Youth das Publikum auf zahlreichen Festivals (SPOT, Roskilde, Fusion, Vienna Waves,…), ohne eine einzige Veröffentlichung im Gepäck. Welchen Einfluss hat es auf die Songs, wenn sie über einen langen Zeitraum “nur” live gespielt werden? Entwickeln und verändern sie sich viel, bis sie schließlich zu den Songs werden, die nun auf dem Album zu hören sind?

»Ja, absolut. Wir sind eine sehr junge Band und wir experimentieren noch viel mit unserem Sound und den kreativen Prozessen an sich. Deswegen ändert sich beides, die Songs und unsere Art, Musik zu schreiben, immer wieder. Und wenn sich jemand unsere Demos für das nächste Album anhören würde, würde er erkennen, wie sehr wir uns immer noch ändern und entwickeln.«

Im September 2012 erhörten Reptile Youth endlich das ungeduldige Füßescharren der Fans und veröffentlichten ihr Debüt. Man könnte diese lange Wartezeit ja auch als eine gelungene Marketingstrategie betrachten …

»Marketingstrategien versuchen die Welt mit gefakten Gefühlen zu vergiften. Daran haben wir absolut kein Interesse. Wir waren einfach noch nicht bereit, eher etwas zu veröffentlichen. Ich glaube sogar, wir hätten sogar lieber noch etwas länger gewartet. Aber vielleicht ist das nur mein besorgtes Gerede.«

Zurück zur Suche nach dem Weg zum Glück, laut Studien gehören ja die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt …

»Ich habe keine Ahnung. Aber ich finde das ziemlich deprimierend. Wenn das stimmt, würde das bedeuten, dass der Planet insgesamt ziemlich unglücklich ist.«

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