Kreative Ideen Ja, kreative Texte Nein! 5 Tipps an Musik-Promoter

· 03.10.2012 · 6 Kommentare

Das Mit- und Nebeneinander von Bloggern und PR-Menschen ist von ambivalenten Gefühlen und Ansprüchen geprägt, gerade in der Musik wird das immer wieder deutlich. Für mich als hauptberuflichen PR-Mann (Technologie-Themen) und privaten Feierabend Blogger (Musik und Fußball) ist dieses Spannungsfeld einerseits sehr lehrreich, andererseits aber auch immer wieder ein mittleres Ärgernis. Ich verstehe es gut, dass es sich im umgekehrten Falle (Profi-Blogger und Feierabend-PR) schnell zu echter Verzweiflung auf Seiten der Blogger wandeln kann.
Darum wende ich mich heute mal an meine Feierabend-PR-Kollegen mit ein paar Hinweisen, wie Ihr mir Kummer, Sorgen und kleinere Wutausbrüche (naja) ersparen könnt.

Vorab:
Auch wenn ihr diese und viele andere wichtige Tipps einhaltet, die man im Netz findet, erhöht sich die Chance, dass mir Eure Musik gefällt, nicht die Bohne. Ihr habt nicht die geringste Chance, das verbal zu beeinflussen! Aber folgende grundlegenden Dinge sollten Euch klar sein:

  • Kreative Ideen erhöhen die Chance, dass ich mir Eure Musik anhöre
  • Kreative Texte wiederum sind „Aufgabe“ des Bloggers und nicht Eure! Wenn mir die Musik gefällt, erhöht sich die Chance enorm, dass ich darüber schreibe, wenn Ihr mir die Aufarbeitung so einfach wie möglich macht.


1. Someone put Info in Bandinfo 

„So einfach wie möglich“ heißt nicht, dass Ihr den Artikel für mich schreiben sollt. Ihr könnt Euch Eure Adjektive, Superlative und Lobeshymnen bitte sparen. Es tut weh, das einzugestehen, das weiß ich aus eigener Erfahrung sehr gut (siehe oben), aber als PR-Mensch muss man zwar kreative Ideen haben und gut schreiben können, aber es geht nicht um kreatives Schreiben! Das ist doch die Aufgabe der „anderen Seite“!

Ich will wissen, woher die Band kommt, wer die Mitglieder sind, in welchen Bands sie bisher gespielt haben, was es Interessantes über sie zu erfahren gibt, wie viele Alben sie bisher aufgenommen haben. Ich will möglichst viel wissen. Ich bin neugierig. Aber ich will keinen Roman in Fließtext. Informationen müssen strukturiert aufgearbeitet werden. Arbeitet mit Absätzen, Überschriften, Bullet-Points und Infoboxen.

2. „Presseinfo“ ist kein Betreff sondern Zeichenverschwendung

Wenn man schon als Popelblogger an die 100 Mails am Tag bekommt, wie wichtig sind da wohl Betreffzeilen für unsere professionellen KollegInnen? Aber was passiert? Da kommen Newsletter, da steht im Absender „XY-Newsletter“ und in der Betreffzeile „XY Newsletter Oktober“. Aaah Ja! Da kommen Mails, in deren Betreff steht „Presseinfo: …. !“ Ihr schickt diese Mail doch (hoffentlich!) ausschließlich an Journalisten und Schreiber. Und die erwarten nichts, aber auch gar nichts anderes als „Presse-Infos“. In der Mail an Deine Mutter steht doch im Betreff auch nicht „Private E-Mail:…“

Oder da steht „Videobemusterung: Neues Video von…“ – Bis ich die Mail öffne – wenn ich es denn tue – weiß ich nicht, um wen es geht, weil meine Betreffspalte zu klein ist. Probiert es mit „BAND: Video zu SONG ab TTMMJJJJ“, haltet Euch kurz, spart Euch den überflüssigen Firlefanz und sagt mir, „wer, wann, was, wo“. Dann weiß ich, ob das Thema mich a) interessiert und b) ob es eilig ist oder sogar schon überholt.

3. Beachte die ganz normalen Grundregeln

Gewisse Elemente kopiert man auch als hyperkreativer Blogger-Sonderling gerne. Bitte schreibt also immer in der Gegenwart, immer in der dritten Person und immer fehlerfrei. Verwendet keine Abkürzungen, keine Smileys und schreibt die Zahlen bis zwölf möglichst aus.

4. Keine HTML Mails, keine Anhänge

Wenn sich HTML Mails erst langsam aufbauen müssen und die Formatierung alles auseinanderfrickelt, bin ich angepisst. Ich liebe die gute alte Plain-Text-Mail mit Links zu den Multimedia-Inhalten (Website, Dropbox, Google Drive, pinterest (dazu später mehr). Auch Videos zum Download sind ziemlich uncool. Ein WordPressblog, in dem man Videos passwortgeschützt online zeigen kann, richtet Euch jeder 15jährige in einer Stunde ein…

5. Kreative Ideen, Recherche und Persönlichkeit sind wichtiger als Pressetexte

Blogger entdecken vor allem bei Bloggern. Schnapp Dir lieber für jeden Act passend (Genre, Bekanntheit der Band…) eine handvoll Blogs und versorge sie mit originellen und persönlichen Infos, als eine Mail an alle zu senden. Schick uns eine handgeschrieben Postkarte, produziere eine Audio- oder Videobotschaft an den Mittelstern, liefere uns Hörproben rechtzeitig und exklusiv, male uns ein Bild, strick uns einen Eierwärmer mit dem Bandlogo, was weiß ich. Wenn eins der Blogs darüber schreibt, ist die Chance wesentlich größer, dass andere Blogger es lesen, als beim Versand an deinen Verteiler. Sei kreativ!

!!! Bonustrack: Wenn Du uns zitierst, dann bitte mit Quellangabe !!! 

In letzter Zeit wurden einige unserer Texte ohne Quellenangabe in Presseinfos eingesetzt und damit kannst Du Dich mal wirklich so richtig unbeliebt machen! Denn ja, wir kopieren zwar ständig Deine Info-Texte ohne Quellenangabe, aber die sind auch dafür geschrieben und wir sind (oder fühlen uns als) die Kreativen (siehe Tipp 1). Wir werden gerne zitiert (keine Kreativität ohne Eitelkeit), aber wir wollen nicht Deine Presseinfos schreiben. Denn die sollten 1. eh nicht kreativ sein (meine Meinung dazu kennste ja jetzt) und 2. ist es echt ein blödes Gefühl, wenn plötzlich das Stadtmagazin einen Text von mir aus Deinem Presseinfo entnimmt und dann hier und im Stadtmagazin das selbe steht! Mir geht es dabei nicht um Urheberrechte und schon gar nicht um Geld. Es geht um so was wie Respekt.

In diesem Sinne: Ich freue mich auf Eure nächsten Bemusterungs-Mails.

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Mehr Infos in einer (etwas älteren) Slide
Fotoquelle: melanie lauren via flickr

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  • Jens Dieter

    Mich würden ja erstmal Eure Mediadaten interessieren! :) 

  • Noch eine ergänzender Hinweis: Aus meiner Erfahrung als „A+R“ eines 

    • Das seh ich ein bisschen anders, Al Magnifico. Streams sind für den ersten Höreindruck unverzichtbar. Aber wenn ich mich mal entschieden habe, mich mit einer Band näher zu beschäftigen, tu ich das auch gern unterwegs, im Auto oder iPod. Dafür sind Downloads nützlich.

    • Sebastian

      Ich seh das wie Du, Al. Streams sind wesentlich wichtiger! Downloads via „We Transfer“ oder „Dropbox“ als optionale Zusatzvariante dann das Tüpfelchen auf dem i! 
       

  • Johannes

    Wenn „wir“ alle deine Vorgaben berücksichtigen (z.B. ein Presse-Text darf nicht kreativ sein), dann wird diese Musikmarketing-Blase noch größer und Inhalte noch beliebiger. Müssen die Dinge wirklich noch mehr Template-Charakter haben? Müssen „wir“ es Bloggern und „Presseleuten“ noch einfacher machen? Das Resultat siehst du in der deutschen Musikjournalismus-Landschaft (die ist ja bekanntlich somit die übelste und reaktionärste der westlichen Welt). NÖ! Verwirrungen, Rechtschreibfehler und Lobeshymnen, hoch sollen sie leben! :)

    • Na endlich kommt mal einer mit dem richtigen Gegenargument im die Ecke. Ich dachte schon…

      Also, natürlich habe ich meinen Beitrag bewusst überspitzt und natürlich freue ich mich weiterhin über Deine sehr persönlichen und kreativen Texte!

      Aber ich kann dir gerne mal den Quark weiterleiten, der hier jeden Tag ankommt und dann gilt: JA, DANN lieber übers Template zum Orgasmus als über einen vorgetäuschten Orgasmus zum Rohrkrepierer.

      Und warum kann es nicht Templates UND kreative Texte geben? Ich kann auch als Plattendealer nicht für jede Platte ein neues Genre erfinden. Schon gar nicht kann das mein Kollege beim Stadtmagazin. Also: Wer ein blitzsauberes Template anbietet, der darf mir gerne auch Romane schicken. Ich will nur wissen, ob es sich lohnt, sie zu lesen :-) Und ich kann nicht 160 „erste Absätze“ eines Romans am Tag lesen…

      PS: Es gibt absolut kein allgemeingültiges Gesetzt für die perfekte Musik-PR außer: Ist die Mucke geil, kann die PR sie nicht versauen. Ist die Mucke gut, kann PR sie erheblich aufgeilen