Konzertgespräch: John Klein mit den Mighty Oaks…

· 21.09.2012 · Keine Kommentare

Paul Simang (Sunset Mission) begrüßt mit den Worten; Ihr wollt euch also ein schönes Konzert anschauen? Ja das ist es in der Tat; ein wirklich schönes! Konzert.Es fängt langsam an. Die drei Jungs von Mighty Oaks kommen auf die Bühne und der Sänger (Ian) bedankt sich fürs Kommen. Auch bei Paul für den Whiskey an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit. Die Zeit war auf might gestellt. Sanfte aber volle Musik, durch die Intensität, die sie auf der Bühne instrumental und persönlich bieten. Sie sind voll da und voll bei sich mit einer Verbeugung für das Publikum, das willig ist, zu hören! Kein Tanzkonzert.. Auch wenn Vergleiche immer eine schwierige Sache sind, liegt mir der Vergleich zu Okkervill River nahe. (Ich kam leider nicht dazu, sie danach zu fragen.) Es ist das Gegenteil von wild, aber muss es immer wild sein? Es ist soft im besten Sinne. Noch vor dem Applaus kommt nach jedem Lied ein Danke von Ian, dem Sänger. Es folgt im Laufe des Abends ein Danke auch an den Sound und an das Licht. Gar nicht nebenbei; wundervolles Licht! Für diese Band, an diesem Abend, wundervoll austarierte, passende Lichtarbeit!

Bei einer Musik, die vorwiegend bei einer Stimmung bleibt, weder anheizt, noch drosselt, ist das besonders auffällig, denn das Licht unterstützt die Band. Es setzt Akzente. Herbstmusik. Wie das Plakat verspricht; wie der Name anmutet. Wie sie auch aussehen. T-shirt (Claudio), lange Haare (Ian) und ein blaues Jeanshemd (Craig). Niemand flippt hier aus. Aber alle steigen ein. Es bleibt sanft und friedlich, aber das im Sinne von eben das, was Paul sagte; ein schönes Konzert. (Gut, dass er nicht nett gesagt hat. Nett ist anders. Nett wäre belanglos.) Interessanterweise denke ich schon während des Konzerts daran, dass ich es schade finde, dass ich keine CD von Mighty Oaks mitnehmen kann.

Es wird wirklich Zeit! Es ist die Musik, die ich mit nach Hause nehmen will.

So etwa, obwohl völlig anders, wie Cat Power, oder lamb.

Mighty Oaks haben zweifellos Bühnenpräsenz. Sie rocken nicht das Publikum. Sie bündeln es. Und damit sind sie in Dresden an der richtigen Adresse, denn Dresden ist dem Auenland (Herr der Ringe) ähnlich. Die Leute sind ohnehin schon gebündelt. Sie neigen zur Zusammenrottung. Einen schönen Abend (ich bleibe an diese Spruch hängen. Es ist der Refrain, wenn man es so will.) ist definitiv Dresdner Art.

Es passt definitiv, dass die Zugabe unplugged (so Craig in der Ansage) mitten im Publikum stattfindet und jemand wie im Scherz sagt: „Lasst mal die Mädels vor.“ Beispielsweise in Berlin unmöglich! (nicht politisch korrekt!) in Dresden willkommen, gewollt und begrüßt. Eher warm und herzig gemeint. Auch die Zugabe; ein warmer Herbstmantel, von drei Leuten, die miteinander übereinstimmen, obwohl grundverschieden.

Es ist auch das kürzeste, am meisten gebündelte Interview, dass ich je (in diesem Rahmen) geführt habe.Vielleicht wegen der Ansage (Interview!). Vielleicht auch weil Ian tatsächlich Fieber hatte.

JK: Ihr seid auf der Bühne grade zu dritt, aber ihr spielt auch wenn ich das richtig verstanden habe mit vier?

Ian: Ja, wir haben zu viert gespielt. Aber wir sind zu dritt ab jetzt. Das Projekt Mighty Oaks sind drei. Die anderen Leute kamen und gingen auf der Bühne, das hing davon ab, wo wir spielten.

JK: Der letzte Gig war auf dem Thalia Gardens Festival, das war noch mit …Fabian?

Ian: Ja, mit dem Drummer.

JK: Das zu dritt ist eine Entscheidung von euch allen?

Ian: Ja. Klar.

JK: Wenn ihr auf der Bühne seid und ihr davon erzählt, wie ihr euch getroffen habt, ist es wie zum Spaß. Kein Merchandising, keine Werbung, bis auf Danke und mögt uns auf facebook. Koketterie?

Ian: Wie alle anderen Musiker auch. Wir sind am Anfang. Wir machen Musik. Wir wollen das und so viele Leute wie nur möglich damit erreichen..

JK: Neben der Musik; was für eine Art von Job würdest du nie machen, was wäre das absurdeste, was du je arbeiten würdest, (an Ian) speziell für dich…

Ian: Ich bin nicht sehr kompatibel für Arbeit…ich würde nicht gerne…Geschirr waschen oder so….

JK: Aha, Geschirr waschen…was ist mit dir? (an Craig)

Ian: (dazwischen, schnell) Jeder Job, wo es einen ätzenden Boss hat, ist mies. Jeder Job kann gut sein, wenn du mit angenehmen Leuten arbeitest…es hängt von den Leuten ab.

Craig: Ja, es hängt von den Leuten ab. Aber da gibt es echt eine Menge. Kellnern, Essen und Drinks servieren, harte Arbeit für wenig Geld…was viele Leute tun in ihrem Leben…..

JK: Das hängt ja von der Definition der harten Arbeit ab…

Craig: Oh,nichts gegen harte Arbeit…versteh mich nicht falsch. Für so was wie hier arbeiten wir hart. Aber es ist ein Unterschied, ob du hart für jemanden anders arbeitest, oder eben für die eigene Sache. (leise) Ich versuche es zu vermeiden.

JK: (an Claudio) Was ist deine Vorstellung von einem unmöglichen Job?

Craig: (dazwischen) Kaugummitester.

Claudio: (lacht) Ich weiß nicht, ich bin da ziemlich anpassungsfähig. Es hängt davon ab..mir fällt da gar kein Job ein, vielleicht Soldat. Wahrscheinlich wirklich etwas, was mir moralisch nicht passen würde.

JK: Habt ihr irgendwas gelernt, studiert, außer Musik?

Ian: Wir machen nur Musik!(!)

JK: Ihr habt keinen anderen Hintergrund?

Ian: Ich studierte Politik, sagt man glaub ich in Deutschland. Claudio studierte Telekommunikation.

Craig: Ich komme von….Ich habe Schauspiel studiert.

JK: Das passt.(Nochmal; Craig ist der Bassist mit dem Jeanshemd.) Würdet ihr sagen, dass ihr eitel seid? Die Präsenz auf der Bühne ist ja wichtig. Eitel hat einen miesen Touch, aber wie würdet ihr euch da einstufen?

Ian: Ach wir sind einfach auf der Bühne, weil wir Musik machen wollen…..Wir wollen natürlich Spaß haben, die Leute sollen das auch spüren, aber es hängt nicht davon ab, wie sie uns sehen…das spielt keine Rolle.

Craig: Du spielst live natürlich anders. Die Leute sehen dich und das ist eine vollkommen andere Sache. Dir ist eben bewusst, dass sie dich auch sehen und nicht nur hören…die Energie, die dir die Leute geben, ist auch anders. Und so auch das Spielen (das sagt natürlich auch der Schauspieler unter den dreien.)

JK: (an Ian) Du hast das aber betont..dass du befürchtest, du könntest nicht gut aussehen, oder so. Du spielst schon damit.

 Ian: Es war mir einfach peinlich, wenn die Leute mich schwitzen sehen. Ganz einfach. Ich hab mir da meine Eier abgeschwitzt (eins zu eins Übersetzung. Muss hier sein!) Das hat gar nichts mit Eitelkeit zu tun.

JK: Hat niemand gesehen. (behaupte ich einfach)

Ian: Jeder hat das gesehen!! (wichtig!) Ich hab mich nur entschuldigt dafür, auch wenn niemand für die Entschuldigung gefragt hat.

JK: Was ist der Unterschied in Deutschland, speziell hier, zu anderen Orten.

Ian: Es hängt von den Bühnen ab, auf denen wir spielen. Dresden ist immer gut, gute Orte, gute Bühnen. Das deutsche Publikum ist immer nett. Gut.

JK: Was macht das deutsche Publikum aus?

Craig: Ich denke, das deutsche Publikum hört sich das zuerst an und urteilt dann. Ich komme aus England und da ist es anders. Sie urteilen, bevor du überhaupt eine Note gespielt hast. Wenn du nicht schon berühmt bist, dann hast du keine Chance gut genug zu sein. Ich denke die Deutschen sind so offen, erst mal zuzuhören und dann zu entscheiden, ob sie es gut finden, oder nicht. Für einen Musiker das Beste, was dir passieren kann; dass sie erst einmal zuhören. Darum geht es. Und wenn sie es mögen, dann….

Ian: So. Letzte Frage!! (lächelnd!Hände klatschend!)

JK: Letzte Frage? Du entscheidest das?

Ian: Ja!

JK: Dann hab ich keine mehr, dann erzähl mir, was du oder ihr unbedingt noch erzählen wollt.

Ian: Ich brauch ne Dusche und einen Whiskey, das ist alles.

Craig: (der meiner Meinung nach durchaus noch Fragen beantworten würde, er ist schließlich Schauspieler!) Du hast keine Abschluss – Frage?

JK: Klar. Aber erzählt mir, was ich gar nicht in meinem Kopf als Frage habe.

 Ian: Mein Kopf ist leer gerade. Wir hatten eine gute Show. Das ist alles.

JK: Nur noch; eure Show ist sehr sanft. Wenn ihr aufnehmt, wird es anders sein, differenzierter, oder ähnlich dem Konzert?

 Ian: Nein, es ist genau das. Es ist komprimiert. In den Songs ist viel Platz, aber es bleibt in dieser Art. Es ist genau das, was wir machen, egal ob auf der Bühne, oder ob wir es aufnehmen. Das ist unser Ding.

JK: Und die Songs macht ihr alle gemeinsam in einer Session,oder habt ihr ein Konzept?

 Ian: Wir machen alles zusammen (!)

JK: Und die Texte?

Ian: Ich mach die Texte.

JK: Sind sie wichtig?

 Ian: Natürlich!

JK: Manchmal sind sie nur ein Trigger für die Musik, ein Transportmittel, klingen gut…aber ok, sie sind wichtig.

 Ian: Die Songs sind wir, über uns. Über das Leben, unsere Emotionen…

JK: (zu Craig und Claudio) …und ihr springt da ein. Ihr seid eins mit den Texten. Ich frage das, weil sie sehr persönlich sind.

Ian: Ich bringe die Geschichten. Aber das sind meine Freunde..

Craig (dazwischen): Es sind Geschichten, die wir kennen, die mit uns zu tun haben….

JK: So. Ich geb euch frei. Dank euch.

Ian: Danke für deine Fragen!

Craig: Was ist der Name von dem Blog?

JK: Mittelstern.. in english middlestar.

Craig: Ja, ich verstehe. M-i-t-t-e-l-s-t-e-r-n.

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  • heysugar

    Richtig nervige Fragen. Ich hätte kein Bock drauf gehabt.