Soundcheck: Boho Dancer

· 30.07.2012 · Keine Kommentare

Boho Dancer kommen so unschuldig und brav daher, dass es nicht leicht fällt, sie nicht zu mögen. Und das Etikett „Freak Folk“, das ihnen in der Presseinfo aufgedrückt wird, kann eigentlich auch nur ein Scherz sein:

»2011 überraschten Boho Dancer wirklich jede und jeden in der dänischen Musikszene. Bevor es überhaupt nur einen einzigen Song veröffentlichte, spielte das junge Freak Folk-Trio schon auf den großen dänischen Festivals […]
Die EP Furry Skin wurde im Februar 2012 in Dänemark veröffentlicht und bekam herausragende Kritiken. Nach dem diesjährigen Besuch auf dem Branchenfestival SPOT in Aarhus, bekam die Band um Ida Wenøe auch von der deutschen Presse hoffnungsfrohe Worte mit auf dem Weg.«

Am 10. August wird die EP Furry Skin nun auch in Deutschland veröffentlicht. Da ich den Auftritt von Ida Wenøe (Gesang, Gitarre), Símun Mohr (Gitarre, Bass) und Asker Bjørk (Schlagzeug, Gitarre) auf dem SPOT Festival im Mai verpasst habe, kann ich nicht einschätzen, ob Boho Dancer auf der Bühne aufwiegen können, was mich an ihren Songs stört. Diese hatten zwischen SPOT-Vorbereitung und Veröffentlichungsinfo einige Monate Zeit, sich zu entwickeln. Das hat ihnen aber nichts genützt, denn sie haben sich sofort aus Sinn und Playlist verflüchtigt.

Ja, Ida Wenøe hat eine besondere Stimme. Besonders lieblich und nett ist die. Viel zu oft wirkt sie aber auch bemüht und strapaziert dadurch die Nerven. Dazu viel Schnickschnack, „uuuuuhuuu“ und „oooooh“; Gitarrengeklimper zu Folk-Rhythmen, Chöre, Bläser und Schellen. Der erste Eindruck dieser Folk-Songs mit Mystik-Touch bestätigt sich auch beim wiederholten Hören: nett. Und altbacken.
Spannender als nur „Freak“ auf ihre Musik draufzuschreiben wäre es, könnten Boho Dancer das Bild vom naiven, barfüßig ums Feuer tanzenden Hippiemädchen „freaky“ brechen – was auch immer das in ihrer Welt bedeuten würde. Möglich, dass Boho Dancer genau das sogar wollen und versuchen, aber auf ihrer Debüt-EP noch (?) nicht schaffen.

Der Name Boho Dancer verweist übrigens auf das Buch The Painted Word von Tom Wolfe. In seiner Theorie über die Entstehung neuer Kunstformen bezeichnete Wolfe die erste Phase, in der die Kunstwerke nur im inneren Künstlerkreis rezipiert werden, als „Boho Dance“ (Tanz der Bohème). Joni Mitchell hat das Thema 1975 in ihrem Song The Boho Dance aufgegriffen, Björk hat den Song 2007 gecovert. In einem Interview erwähnte Ida im Zusammenhang mit dem Bandnamen jedoch nur den Joni Mitchell Song.

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