Kira Kira im Interview zu ihrem Film Grandma Lo-Fi

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Die isländische Komponistin und Medienkünstlerin Kristín Björk Kristjánsdóttir alias Kira Kira hat einen Film über eine alte Dame gedreht, die mit 70 Jahren beschloss, Musikerin zu werden. Vor ihrem Auftritt beim Thalia Gardens Festival am Samstag in Dresden hat Kristín ein paar Fragen beantwortet.

Wie bist du auf Sigrídour Níelsdóttirs Musik gestoßen?
Ein kleines Vögelchen hat es mir gezwitschert. Sigrídour hatte großes Talent, sie konnte mit den Gefiederten kommunizieren. Zuerst war ich überwältigt von ihrer fantastischen Musik. Aber erst als ich sie kennenlernte und herausfand, was für ein unglaublich charmanter Kracher sie war, beschlossen Orri Jonsson und ich, einen Film über sie zu drehen.

http://www.youtube.com/watch?v=Q6Jc5sYom30&feature=player_embedded

In sieben Jahren hat sie 59 Alben aufgenommen, 687 Lieder. Hast du sie dir alle angehört?
Ja, glaub es oder nicht! Es hat eine Weile gedauert und wir pflügten immer noch durch den Katalog als wir mit dem Filmen fast fertig waren, aber wir entdeckten bis zum Schluss immer wieder neue Juwelen.

Wie lange habt ihr sie mit der Kamera begleitet?
Der ganze Prozess hat ungefähr acht Jahre gedauert, aber inklusive aller Kritzeleien und Animationen, Super-8-Basteleien und endlosen Abenteuern bei der Bearbeitung.

Wie gefiel ihr die Idee, dass jemand einen Film über sie dreht?
Sie hat es geliebt!

Hat sie den Film noch sehen können?
Ja, sie hat eine Rohfassung gesehen und es sehr genossen.

Kopieren Isländische Musiker den Lo-Fi-Style, es scheint ja einigermaßen populär zu sein?
Lo-Fi liegt hier in der Luft, na klar.

Wie hat sie dich beeinflusst? Durch ihre Tu-was-immer-wann-immer-Einstellung?
Ja, teilweise. Sie war eine Macherin, sie hat sich nicht von Selbstzweifeln oder der Meinung anderer Leute von ihrem Weg abbringen lassen.

Es ist euer erster Film. War es für euch als Musiker unausweichlich, einen Film über Musik zu machen?
Es war unausweichlich einen Film über Sigrídour Níelsdóttir zu machen. Wir mussten es einfach tun. Uns war egal, dass wir anfangs keine Ahnung davon hatten, wie man einen Film macht. Ich denke, so anmaßend und schelmisch wie wir wäre auch Sigrídour an die Sache herangegangen. Wir hatten blindes Vertrauen, dass wir einen wunderschönen Film machen würden. Du kannst dich nicht von so einer Kleinigkeit, wie nicht zu wissen, wie etwas zu tun ist, davon abhalten lassen, es zu tun. Wir haben alle unsere Talente in einen Topf geworfen und das Ergebnis war „Grandma Lo-Fi“.

Wie hat Sigrídur Níelsdóttir deine Musik als Kira Kira beeinflusst? Sie klingt verträumt, ziemlich experimentell und nicht allzu sehr nach Lo-Fi-Produktion.
Es ist größtenteils das Temperament, das sie in ihre Songs steckte. Aber wir sind auch beide eifrige Soundsammler. Wir beide nehmen Sounds mit unseren Taschenrekordern auf und nutzen sie in unserer Musik. Nur war ihr Aufnahmegerät eben ein großer Kassettenrecorder den sie um ihren Hals trug.

Plant ihr einen weiteren Film?
Ja, das ist allerdings noch geheim. Ich schreibe aber schon an einem neuen Drehbuch herum.

Gibt es euer Label „Kitchen Motors“ noch? Ich konnte im Netz nichts Neues darüber finden.
„Kitchen Motors“ hält seit einigen Jahren Winterschlaf. Aber der Geist des Kollektivs lebt in meinem Werk weiter. Ich liebe es, Menschen zusammenzubringen, damit kreative, aufregende und verspielte Kollaborationen entstehen.

Juliane Hanka

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