Nicht (nur) die Musikindustrie hat das Internet verschlafen! Frag mal die Banken…

· 02.05.2012 · Keine Kommentare

Gott, wie sehr ich das Totschlagargument liebe, die Musikindustrie habe das Internet verpennt. Die Musikbranche, so ist es unter jedem Blogpost zum Thema „Urheberrecht und Musik im Netz“ zu lesen, habe sich halt nicht auf „neue Geschäftsmodelle“ und die Herausforderung der Privatkopie eingestellt und sei deshalb selber schuld, wenn sie heute um seine Pfründe bange.

Leider wird dabei ein ganz entscheidender Aspekt vergessen. Nämlich der, dass die Deutschen ein sehr Online-feindliches Geldwesen ihr Eigen nennen. Noch vor 5 Jahren hatte die Hälfte aller 14-17jährigen kein eigenes Girokonto und gerade mal 20% der Deutschen über 18 besaß eine Kredikarte. Somit gab es in der ersten Welle der MP3-Shops für große Teile der Zielgruppe keine Möglichkeit, Streams oder Donwloads überhaupt zu bezahlen. Ist ja nicht so, dass mit digitalen Inhalten nichts verdient werden konnte. Das Erfolgsrezept „Klingelton-Abo“ lag ja nicht in den geilen Polytonen sondern in der Bezahlung über die Handyrechnung. Es ist also vielleicht kein Wunder, dass sich eine Kultur eingebürgert hat, Songs auf Halde zu tauschen, wenn man sie gar nicht bezahlen kann. Prepaid-Zahlungssysteme (der iTunes Gutschein) haben sich erst in den letzten zwei Jahren etabliert. seitdem kann auch Oma wieder Musik an ihre Enkel verschenken…

Upside Down You´re Turning Me – Kommt der Wandel im Musicbiz?

Dazu kommt, dass das Internet tatsächlich in vielen Bereichen das bisherige System „Label/Verlag/Künstler“ auf den Kopf stellt und Bands sich am Ende wirklich damit abfinden sollten, wie Unternehmen arbeiten zu müssen. Also nicht: „Firma (Label) vermarktet Band und Band bekommt dafür Provisionen“ sondern „Band beauftragt Firma (Marketing-Agentur) mit der Vermarktung und Firma bekommt dafür Provisionen“. Allein: Es fehlt an der nötigen Finanzierung von Produktion und Marketing. Noch (!) kriegen Künstler keine Finanzierung, um Produktion und Vermarktung alleine zu stemmen. Jedenfalls nicht von Banken. Und ob Crowdfunding das alles alleine abfangen kann? Es könnte sein. Amanda Palmer sammelte jüngst in 3 Tagen immerhin über 340.000 US-Dollar über Crowdfunding ein. Und es könnte sein, dass die Banken auch da einen großen Trend verpennen, nämlich Künstler-Fonds mit durchaus attraktiven Renditen UND einem Social Return of Invest für Musikverrückte Investoren, die lieber wollen, dass das Geld direkt an Künstler gegeben wird als ans nächste Digital-Music Start-up.

 

Flickr-Foto von Mike Burns (Thanx)
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