Eishockey, Tanzmusik, Kreuzworträtsel: John Klein im Konzertgespräch mit Hanson Brothers und Invasives

Die Vorband ist eine kanandische Band, die sich die Invasives nennen. Ich habe sie mir angeschaut , obwohl es bei einem Punkkonzert oder Puck-Rock(Hockey!), wie es auf den T-Shirts von den Hanson Brothers steht, fast üblich ist, spät zu kommen und die Vorband zu verpassen.

Ich bin froh, daß ich die Invasives nicht verpaßt habe. Es sieht aus, als hätten die Jungs, (zwei Brüder; Adam und Byron Slack und ein dazugehöriger Schlagzeuger; Hans Anus. Was für Namen!) jede Menge Spaß mit dem was sie machen, obwohl sie gnadenlos jung aussehen, wenn man sie im Zusammenhang mit den Hanson Brothers sieht.

Auf der Bühne kein Gegröle, sondern speedige, angezogene Rhythmen. Der Gesang fügt sich, ohne zu akzentuieren, oder zu brechen. Sie gehen mit den Gitarren mit. Als Adam den Leuten auf der Tanzfläche leicht amüsiert sagt, sie könnten ruhig näherkommen und tanzen, zucke ich zusammen. Funktioniert das irgendwo anders? In Deutschland jedenfalls kaum. Die Auforderung schreckt zumeist eher ab. Nach dem Konzert erzählen sie mir begeistert von der Show im SO 36 in Berlin und auch davon, das dort Leute tatsächlich nur wegen ihnen auf dem Konzert waren.

Sie sind gesprungen!“ feiert Byron! Er erzählt sehr malerisch und bildreich. Er wählt seine Worte. Setzt seine Band durchaus in den Bezug zu den Hockey-Brüdern, aka No Means No. Der Einfluß ist zu spüren. Das Gespräch kommt auf die Rolle einer Vorband. Byron lehnt sich draußen an dem Geländer zurück und findet den passenden Vergleich:

Miles Davis hat auf sehr guten Festivals gespielt. Aber er lehnte ab, wenn er nicht an erster Stelle spielen durfte. Ich möchte frische Ohren haben, sagte er.

Als ich über den Namen Invasives mehrmals stolpere und meine, daß er schon schwierig ist, erklärt er ihn, gibt auch zu, das er nicht so leicht zu merken ist und oft verwechselt wird. Byron umschreibt den Namen der Band mit Metaphern. Und er unterstreicht und spielt das, was er sagt. Er erzählt eine ganze Geschichte zu diesem „Invasiv.“ Etwas, was man hinüberträgt (er nimmt auch noch das Beispiel Griechenland!), importiert, was sich dann ausbreitet und nicht mehr losbekommt.
Jetzt merke ich mir diesen Namen bestimmt! Sie spielen schon seit rund zehn Jahren als Vorband für Hanson Brothers und No Means No. Wieder eine gespielte Geschichte von Byron, wie er beschreibt, daß sie erst selbst nicht gewußt haben, wer die Hanson Brothers sind.

Später bekomme ich einen leichten Einblick in die kanadischen Verhältnisse, weshalb diese Tatsache so amüsant erscheint. Sie (die Slack-Brüder) nannten sich vorher Married To Music. Konsequent!

Bruder, Brüder, am verbrüdertsten

Es sind einfach alles Brüder! Die Slacks, No Means No und natürlich auch die Hanson Brothers! Ich sage zu Adam, das das klingt, wie irgendein Pop-Ding, oder ein offenes Label, jedenfalls definitiv nicht nach der Musik die sie da spielen. Er bestätigt das lächelnd und gar nicht getroffen .Yes. Just fun!, sagt er.

Wählt ihr aus, was ihr anzieht auf der Bühne? Ist das Erscheinungsbild wichtig? Kopfschütteln. Das interessiert sie nicht. Wir sind was wir sind, erklären beide. Sie wirken fast schon gelangweilt, oder irritiert von der Frage. Ich frage Adam, was er für Musik hört. Er zögert. Oh, wir hören eine Menge…ja. Jazz.

Byron verschwindet plötzlich schnell, entschuldigt sich. Dann steht er bei dem Konzert der Hansons auf der einen Seite. In schwarz-weißem Poloshirt, trinkt Bier. Agiert als Guard der Show, die da folgt.

Da kommen die Hanson Brothers

In diesem Hockeyoutfit, mit Maske und Lederjacke und Rob Wright mit einer mit Gaffa geflickten Jeans, es ist nicht zu fassen. Niemand braucht Ohrstöpsel. Es ist bei weitem nicht so laut, wie bei No Means No, aber das Tempo bestimmt es und ist dazu noch witzig. Ab und zu stolpert jemand herum, wird aufgefangen von den Guards in schwarz-weiß und Byron, der in seinem eigenen Konzert so lustig und witzig war, schafft es hier erstaunlichen Ernst an den Tag zu legen. Er ist gebrieft. Und er spielt. Und er spielt richtig gut. Wie Johnny es in der Lederjacke aushält, ist für mich fast auch eine Frage wert, genau so, wie sie Radeberger trinken können, aber ich denke; Klar! Sie trinken regionales Bier. Gut so. Ganz im Sinne von Hockey.
Stutzig werde ich, als die netten Guards dann fast zum Pogen anstiften müssen und auch neben mir sagt eine Freundin bedauernd, Mensch kein Pogo heute. Ja. Das stimmt! Das frage ich dann John auch nach dem Konzert.
Ist es enttäuschend, wenn die Leute nicht so richtig mitgehen? Oder was wollt ihr mit diesem Hockey-Ding?
Ja, weißt du, sagt er, das ist immer ein Wechselspiel. Es ist ein Spaß, es ist lustig. Es gibt die Energie vom Publikum und Energie von der Band. Aber wir haben schon vor ganz wenigen Leuten gespielt, kleine Shows und trotzdem Spaß gehabt.

Daß No Means No Ramones Fans sind, habe ich gelesen. Die Ramones hatten dieses Bruder-Ding, sagt John, und sie kamen aus New York, so dachten wir; wir sind aus Kanada, was können wir da machen? Es muß was mit Hockey zu tun haben! Klar! Diese wahnsinnigen Hansons (Es existiert ein grandioser Film aus den 7o-er Jahren über die Hanson Brothers; Slap Shot. -hier mal Dank an Sebastian, der mir diesen Hinweis gab! Der Film ist erste Sahne. Wenn man auf Trash, Gewalt, Paul Newman und Sport steht.)

Diese No Means No Geschichte ist eher so „Sophisticated“, sagt John. Ich übersetze das mit „anspruchsvoll“, aber empfinde es dennoch als der Rede wert, daß er dieses Wort benutzt. Im Punk: Sopisticated! ist Punk de Luxe! Die Upper Class des Punk. Und er sagt es locker, mit seinem Bier in der Hand! Als ich erwähne, das für mich eine Hanson Brothers Show fast schon clever und intellektueller als jeder No Means No Gig rüberkommt, lacht John, wie alle anderen, denn Byron und der Rest der Invasives sitzen auch noch in den Sofas und trinken Bier. Ja, sagt er, weißt du, das ist so ein wenig „Tongue In Cheek.“
Eine englische Redewendung, sagt er und schiebt illustrativ seine Zunge in die Backe. Etwa so? Ich ziehe mein Augenlid herunter. Eine Verarschung! Ein bewußter Spaß. Nicht ernst gemeint.

Dance Music & Kreuzworträtsel

Es ist kein Statement! Es ist nur Show! Einfach nur Tanzmusik spielen, sagt John. Und ich muß lachen, wenn ein Typ wie John Wright von „Dance Music“ redet. Ja, das ist ja eure Profession, sage ich fast schon spöttisch, aber John meint das ganz ernst. Er lacht und sagt; ja deswegen machen wir das! Welcome riot! But please! Dance! Das sagt er nicht wörtlich, aber so scheint er es zu meinen. Wie ein Hockeyspiel eben, sagt Byron neben mir und er meint wohl noch den Spaß-Part.

Ich frage John, was er hört, wenn er nach Hause kommt, beispielsweise nach einer Show, nach einem Konzert, am Ende eines Tages. Was er einlegt, wenn er Musik hören will. Er lehnt sich zurück, wie zuvor Byron, aber ganz anders. Ohhh, sagt er. Ich höre keine Musik mehr! Alle lachen wie im Applaus. Ich versuche einfach nur runterzukommen und ruhig zu werden. Ich mache abends Kreuzworträtsel. Ich suche da Ruhe und Frieden.. Ich höre einfach nur der Luft zu, ergänzt Byron fast ironisch, aber sie kennen sich ja seit zehn Jahren. Ich versuche eher von der Musik weg zu kommen, sagt John. Wieder lachen die Invasives bestätigend, obwohl sie wahrscheinlich fast 20 Jahre jünger sind. Aber John lacht mit ihnen. Auch ich finde es komisch. Er ist so entspannt. Null Melancholie. Wie irre! Das ist der neue alte Punk! (Old ist The New Young, stand auf einem der T-Shirts von No Means No , im letzten Jahr).

Ich kann dir nur sagen, daß mein Bruder Dubmusik hört. Er macht eine Pause. Wahrscheinlich in diesem Moment, fügt er hinzu. Und auch das malt ein Bild. Kurz gibt es ein Durcheinander, das schwer zu verstehen ist. Sie reden vom Tourbus. Dann wendet sich John höflicherweise wieder an mich. Weißt du, da gibt es eine große Verbundenheit mit kanadischen Bands. Ich bin weit davon entfernt, patriotisch zu sein, aber da gibt es etwas…ich weiß nicht. Was Einzigartiges. Wir haben mit allen möglichen Bands gespielt, mit deutschen, amerikanischen…..Eine Menge kanadische Bands haben dieses Spezielle. Möglicherweise sind es die Entfernungen in diesem Land. Wir spielten 12 Shows auf 12 000 Kilometern, erzählt Byron und es folgen einige Episoden im schnellen kanadisch. Ja, das vereint wahrscheinlich.

„Vancouver to Halifax….2 weeks.
Show on every day.
We don´t know where we are, we don´t care.
No bands playing, where we are playing.
And we are asking ourselves;
Why are we doing this?”

Das ist schon fast ein Song, den Byron da heraussprudelt, ganz lachs, zurückgelehnt….und alle nicken wissend, lächelnd über diese schiere Ewigkeit. Da gibt es keine Szene. Die Leute erfahren alles über das Radio, erklärt John. Er meint eine Art Niemandsland. Youtube und Facebook sind wirklich wichtig. Das ist, was die Kids wissen, und wo sie hingehen. Auch meine Kinder; (12 und 16) alles was sie an Musik entdecken, abgesehen mal davon, was sie über meine Musik erfahren, ist über das Internet. Ausgerechnet Byron sagt; Die „Kids“ sind anders informiert und berührt, als zu der Zeit, als ich jung war (Byron ist Anfang dreißig). Das erste Konzert, das ich gesehen habe, was meine ersten Eindrücke geprägt hat, waren Babes in Toyland, da war ich dreizehn. Laut und aggressiv!

Dann erzählt John von Aidens erstem Konzert, (sie unterhalten sich jetzt mit sich selbst, ich habe etwas Mühe zu folgen und weiß zugegeben nicht genau, von welchem Aiden die Rede ist. Ich vermute, sein Sohn.) eine Metal Rock Band, ein paar Freunde , die eben einfach Musik gemacht haben und fast schon zufällig war es der Style. Er hat darüber nicht gelesen, oder schon gehört, er ist einfach hingegangen. Und dann erlebt man es anders, da sind sich John und Byron einig.

Heute heißt es eher in der Szene zu sein; wenn man im Internet verfügbar ist, das ist, was wichtig ist, sagt John. Er sagt das ganz ohne Wut! (…) Eine Tatsache, die er hinnimmt, weil sie so ist. Adam wirft ein, daß eben auch eine Rolle spielt, daß die Bilder so schnell überall zu sehen sind. Die Bilder tauchen schnell und plötzlich auf; Hier war das und ich war da. Eine andere Methode zu zeigen wo man war, als wenn man es erzählt. Logisch.
Es war früher eben …. Ich suche ein Wort. Geheimnisvoll, sagt John sofort.

Es ist nichts Besonderes mehr, fügt er hinzu. Nicht mehr speziell.
Es wird beliebig.

Aber John lehnt sich dabei nur mit der Stimme zurück. Weißt du, sagt er voll Ruhe (und einer kanadischen Zuversicht daß man es nur glauben kann!), das Leben geht in Kreisen. Die Leute werden vom Mist gelangweilt sein. Besonders, wenn sie etwas hören, was sie dann wirklich wollen. Dann ist die Energie wieder da!

Ja, sage ich erleichtert. Das ist Physik. Die Energie bleibt erhalten!

Gema Liste der Hanson Brothers

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Unsere Autorin John Klein lernte Kinoplakatmalerei in Kairo und arbeitete vor ihrer Mittelstern-Karriere als Wahrsager.

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