I LOVE LEIPZIG: Seltsame Facebook-Methoden

· 23.11.2011 · 9 Kommentare

Es ist schon ein bisschen verrückt, dass sich selbst Ende 2011 immer noch irgendwelche Werbebuden ohne jedwede Stategie-Erfahrung als „Social Media-Experten“ ausgeben und versuchen, bei Klein- und Mittelständlern auf Dummfang zu gehen. Heute durfte ich wieder Zeuge eines wunderbaren Beispiels werden.

Auf Facebook gibt es eine Seite namens „I LOVE LEIPZIG“. Diese hat bisher vor allem ein Alleinstellungsmerkmal. Dadurch, dass sie den Leipziger Weihnachtsmarkt als Veranstaltung angelegt hat 5.001 Personen darüber gesprochen haben, obwohl es nur 565 Fans gab.

Heute nun veröffentliche die Seite ein Gewinnspiel, dass mit dem reißerischen Kommentar, jeder Fan der Seite gewinne eine Reise. Gemeint war natürlich, dass unter allen Fans eine Reise verlost wird. Interessanterweise keine Reise nach Leipzig sondern ins Zillertal. Weiß der Geier warum… Eine gute Bekannte aus der Kommunikationsbranche fragte daraufhin in den Kommentaren, ob und wie denn bitte unter allen Fans einer Seite etwas verlost werden könne, da man als Seitenbetreiber doch nur die jeweils letzten 500 einsehen könne. Das wäre ja so, als würde man was unter allen eingegangenen Postkarten verlosen, könnte aber nur die ersten 100 lesen. Böses, böses Mädchen!

User sollen ihr zartes Köpfchen nicht zum Denken einsetzen

Als Antwort erhielt sie den harschen Kommentar, dass man als professionelle Agentur dank eines „direkten Kontakts bei Facebook“ (hört, hört) alle Daten sehen könne und überhaupt solle man sie als als User sich darüber nicht „das zarte Köpfchen“ zerbrechen.

Diese niveauvolle Retour der Leipzigliebhaber wollten nun aber nicht alle Facebook-Freunde meiner Bekannten auf sich sitzen lassen und es kam wie es kommen musste: Man begann auf der Seite kleine Sticheleien auszuteilen. Einige zeigten sich begeistert, dass jeder Fan eine Reise gewinnen werde, andere fragte nach dem Impressum der Facebook-Seite und des Gewinnspiels. Zackbumm: Da waren alle kritischen Beiträge gelöscht und die User blockiert (ich übrigens auch). Aber Dr. Screenshot hat kein Alzheimer:

 

Mittlerweile ist das Gewinnspiel komplett gelöscht und alle Kritiker blockiert und es wird lieber weiter der Weihnachtsmarkt gefeiert. Im Gegensatz zu anderen denke ich nicht, dass solche Leute oder Methoden dem (meinem) Berufsstand schaden! Im Gegenteil: Sie zeigen, wie nötig offenbar viele Unternehmen immer noch professionelle Beratung haben und dass eben doch viel mehr zur Öffentlichkeitsarbeit gehört als ein mittelbegabter Grafiker, ein professioneller Kleinanzeigen-Texter (Auto- und Tiermarkt) und ein HTML-Programmierer. Im schlimmsten Falle in einer Person.

Update 25.11.2011
Wer hinter der mittlerweile komplett gelöschten Facebookseite stand, konnte nicht endgültig geklärt werden. Zwar wurde auf der Seite selbst eine E-Mail-Adresse der Website „myfacebooking.de“ genannt. Der Inhaberin dieser Domain (Eine Agentur fresh.idea aus Dessau) distanziert sich allerdings von dem Projekt „I LOVE LEIPZIG“ und hat mich heute ersucht, meinen Beitrag entsprechend zu korrigieren. Was hiermit passiert ist, obwohl ich von Beginn an nie Behauptungen aufgestellt habe sondern lediglich konkrete Sachverhalte geschildert habe. Ein Impressum hätte geholfen. Da hätte man sie wenigstens fragen können. Ich bin ja mal sehr gespannt, ob die Jungs aus Dessau rausfinden können, wer da in ihrem Namen so einen Schmarren verzapft hat.

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