So war: An evening with Ólafur Arnalds in Berlin

· 09.08.2011 · Keine Kommentare
25. Juli 2011
21:00 Uhr
Roter Salon, Berlin, Berlin

Da ist irgendetwas in der Musik von Ólafur Arnalds, das mich berührt; Etwa der Moment, wenn bei 0040 das Klavier einsetzt oder die Streicher bei Ljósið mir das Herz einschnüren …

Was es wohl ist?

Manchmal scheint es sogar Ólafur Arnalds selbst schwer zu fallen, sich auf das was seine Musik ausmacht, einzulassen. Dann sucht er nach Wegen, um sich zu neuen Kompositionen zu motivieren.
So zwang er sich 2009, sieben Tage lang jeden Tag einen neuen Song zu veröffentlichen. Via Twitter hielt er die Fans ununterbrochen auf dem Laufenden und jeder der so entstandenen Songs wurde zum kostenlosen Download angeboten.

Dieses Jahr nun ein neues Projekt: An evening with Ólafur Arnalds. Eine Solo-Tour, neun Shows – nur Óli, sein Piano und diverse elektronische Gerätschaften. In einem intimen Rahmen schaffte die Interaktion mit dem Publikum eine besondere Atmosphäre für Improvisationen, die Óli zu neuen Stücken inspirieren sollten.

»Das wird die einfachste Tour überhaupt«, dachte sich der charmante Isländer angeblich im Vorfeld – keine Befindlichkeiten durch zu viele Mitreisende, nur sein Freund und er. Und die Musik. Allerdings, so erzählte er am 25.07.2011 im Roten Salon den etwa 149 Besuchern und mir, hatte er sich da etwas vertan. Die Solo-Tour stellte sich dann doch als das Schwierigste heraus, was er je gemacht hätte und warf die Frage auf, warum er sich so was antut. Ganz allein ein Publikum zu unterhalten ist ja auch nicht so einfach. Ach ja – und die Streicher, die ihn live üblicherweise begleiten, hätten durchaus ihren Sinn, musste er zugeben.

Nach einem durchtanzten Tag in Berghain und Panorama Bar ließ ich mich mit gewisser Skepsis auf das vermeintlich musikalische Kontrastprogramm am Abend ein. Spätestens jedoch, als Óli sein Equipment erläuterte, wurde der Ausflug zu einer runden Sache: »Mit diesem Ding kann man z.B. German Techno machen. … Und nachher gehen wir alle in die Panorama Bar.«

»because in the end it’s all just music«
(aus The Sky May Be Falling… But The Stars Look Good On You)

Ólafur Arnalds Stimme war an diesem Abend außergewöhnlich oft zu hören. Er erklärte, wie seine Stücke zu Hause üblicherweise entstehen und dass es ihn manchmal einfach fertig macht, sich nur mit trauriger Musik zu beschäftigen. Dann produziert er schon mal Pop-, Soul- oder Dubstep-Alben/Songs. Bis er wieder zurückfindet zu dem, was er am besten kann und was ihn ausmacht, was er liebt: Melancholische Songs schreiben.

Das Publikum im Roten Salon musste singen (»oh nein, zu viele tiefe Männerstimmen, noch mal bitte nur die Mädchen«), klatschen und mit den Füßen stampfen. Dabei ging es immer darum, eine Stimmung zu schaffen, die der Improvisation eine Richtung vorgibt. So läuft Songwriting bei Arnalds zu Hause wohl auch. Meistens wird die zugrundeliegende Atmosphäre am Ende des Prozesses entfernt und was übrig bleibt, steht als neues Stück für sich.

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Bestehende Ideen wurden aufgegriffen, neue entwickelt, verfeinert und wenn es nötig war, wurde so lange wiederholt, bis der Meister sich zufrieden zeigte. Zu hören waren neben den typischen Pianoklängen hier und da elektronische Beats und Vocals auf isländisch. Charmant, sympathisch, außergewöhnlich! Wer weiß, ob sich so schnell noch einmal die Gelegenheit bietet, dem jungen Herren und seiner Musik so nahe zu kommen. An seinem Gesicht ließ sich immer wieder ganz genau ablesen, ob er mit dem, was gerade passierte, zufrieden war, oder eben nicht.

Wie viel von dem Gehörten wirklich Improvisation war, bleibt Ólis Geheimnis. Ein bisschen was musste er vorbereiten, verriet er. Für eventuelle Blackouts hatte er eine Liste mit Begriffen dabei, die für Außenstehende keinen Sinn ergeben.
Alle Shows wurden als Grundlage für neue Kompositionen komplett aufgezeichnet. Man darf also sehr gespannt sein, welche Melodien und Beats der Abende mit Ólafur Arnalds einen demnächst (erneut) berühren werden.

Zu seiner ersten Solo Show in Berlin, die ich erleben durfte, twitterte Óli noch am selben Abend: »8 solo shows down… first berlin show was nice! One of the best so far…«

Danke, ebenso!

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