Einmaliges Lesevergnügen: Oliver Uschmann – Nicht weit vom Stamm

· 06.04.2011 · Keine Kommentare

Buchmesse Leipzig - Oliver Uschmann

Uschmann zeigt, wie sein Protagonist sich kleidet

Auf der Leipziger Buchmesse las Oliver Uschmann aus seinen aktuellen Roman Nicht weit vom Stamm. Hätte dieses Buch nicht schon zu Hause auf mich gewartet, ich hätte es wohl nicht gelesen. Als Genre wird „young adult fiction“ angeführt, junge Leser zwischen 15 und 25 sollen angesprochen werden. Mag sein, dass die Handlung des Romans um den 19 jährigen Sven Lechner zielgruppengerecht ist – mich hat sie nicht sonderlich angesprochen:

„Sven hat die schiefe Bahn verlassen und ist am Ziel angekommen: ganz unten. Seine Tage verbringt er im Rausch, seine Nächte wahlweise mit Sex oder Prügeleien. Dabei stünden ihm alle Türen offen, sagt sein Vater – hätte Sven sie nicht vor fünf Jahren zugeschlagen. Als seine Schwester bedroht wird, findet sich Sven in seinem schlimmsten Albtraum wieder: Der einzige Weg, Lina zu retten, ist, so zu werden wie sein Vater.

Oliver Uschmanns Roman „“Nicht weit vom Stamm““ erzählt schonungslos und ehrlich von verlorenen Zielen, falschen Freunden und der Macht der Zuversicht.“ (Klappentext)

Sogar einen zielgruppengerechten Trailer gibts zum Buch:

Zielgruppe hin oder her – die Story konnte mich nicht überzeugen: Bemüht, vorhersehbar, wenig nachhaltig und für mich nicht immer nachvollziehbar. Am Ende geht es aber doch irgendwie auf, gibt Anlass zum mitfühlen und sogar ein paar Denkanstöße bleiben übrig. Ob die Geschichte allerdings beim zweiten Lesen auch noch funktioniert? Ich kann es mir nicht vorstellen.

Aber.
Uschmann benutzt eine dermaßen einfache und klare Sprache, dass das Lesen eine große, erholsame und fesselnde Freude ist. Ganz ungekünstelt und ohne dass man Sprache explizit wahrnimmt, wird man einfach in das Buch gezogen und nicht mehr losgelassen. Man verschlingt Seite um Seite um Seite. Obwohl man doch eigentlich nur noch schnell ein Kapitel lesen wollte, kann man das Buch nicht mehr weglegen.

Clevere Marketing-Strategie mit Spaßgewinn: Uschmanns Bücher greifen immer öfter immer mehr ineinander. So kommen mal Hartmut und ich zu Besuch, oder man begegnet dem einen und anderen Charakter aus dem Vorgänger-Roman Das Gegenteil von oben. Diese Verstrickungen sind als Pluspunkt für Fans konzipiert und (noch?) nicht handlungsrelevant. Ich finde das großartig. Ist doch abzusehen, dass ich Nicht weit vom Stamm irgendwann noch mal rauskramen werde, um einen Charakter aus einem neuen Uschmann-Roman nachzuschlagen, dessen Name mir irgendwie bekannt vorkommt.

Lange muss ich darauf bestimmt nicht warten – Uschmann veröffentlicht so schnell neue Romane, dass man mit Lesen kaum nachkommt.
Aktuell steht aus der Hartmut und ich-Reihe noch Feindesland: Hartmut und ich in Berlin im Buchhandel, der nächste Teil soll Anfang 2012 erscheinen. Aber das ist ja eine ganz andere Geschichte.

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