Album der Woche: The Egyptian Gay Lovers – No Fuck No Ride

· 01.04.2011 · Keine Kommentare

Fickende Scheiße! Die Egyptian Gay Lovers haben hier gerade die Platte ihres Lebens in meinen Briefkasten geworfen.

Schon immer sind die Dresdner für mich nicht nur aus freundschaftlicher Verbundenheit so etwas wie die Könige der kleinen Strolche unter den europäischen Fuckbands. Dreckig, böse, laut, schnell und erbarmungslos benzingetränkt – Alle Klischees werden gnadenlos bedient. Aber immer mit einem dermaßen ansteckenden verschmitztem Lächeln in der Fresse, da legt die Bäckersfrau auch schon mal trotz der Nietenjacke einen Schmalzring extra drauf.

Und endlich ist es der Band gelungen, eine Platte zu produzieren, die genau das wiedergibt. NO FUCK NO RIDE ist ein kurzer Trip mit dem Cleaner durch die Nacht. Man ist sich nur nicht sicher, wo die Reise endet – im Knast oder beim heimlichen Mofarennen im Wald. NO FUCK NO RIDE startet mit einem sich dynamisch aufbauenden Intro (No. 1), einem  heftigen, saugute Laune machenden Vorglüher. Der Cleaner setzt die Sonnebrille auf, stampft aus der Tür und…….Roooooock!

Da ist kein Platz jetzt für Nice Guys. Die Gay Lovers brennen. Für den Augenblick und für das Leben. „Keep it burnin“ heißt der zweite Titel und der geht ab! 2. Gang, 3. Gang, 4. Gang, Hauptsache Drehzahl machen. Speedrock pur, an dessen Ende dann genau ein solcher Moment steht, der einen stutzig macht. Ein seltsames Grunzen, eher bekloppt als böse, eigentlich viel zu lustig für den gerade aufgenommen Arschtritt. Man ahnt, wie die Band sich im Studio über die Idee zerschossen hat und ist unweigerlich angesteckt. Das Grinsen bleibt im Gesicht, wenn es mit „Cash & Burn“ weitergeht, einem dieser Titel, in denen die Gay Lovers beweisen, dass sie die vielleicht beste Mischung aus den Sloppy Seconds und Black Flag gefunden haben. Am Ende dann ein ganz, ganz großer Moment. „Cash & Burn“ klingt mit einem Pianogestümper auf, das sich plötzlich in den Auftakt einer Hardcore-Boogie-Hymne wandelt (Hell on Wheels), die vor zehn Jahren auf jeden zweiten Mixtape von mir gelandet wäre. Saucool!

Das Grundgerüst der Stücke auf NO FUCK NO RIDE ist logischerweise nie wirklich weit weg von den Backyard Babies und Peter Pan Speedrock, aber die Gay Lovers haben ganz eindeutig einen eigenen Stil entwickelt, der offener, verschmitzter und vor allem groovender ist als je zuvor. Der Bass rollt wie ein Benzin-Motor durch alle 12 Stücke und treibt das ganze so dynamisch an, dass – und das macht NO FUCK NO RIDE vielleicht am meisten aus – einem nicht eine Minute langweilig wird. Auch weil man meint, immer neue Reminiszenzen erkennen zu können. Als ich Anklänge an Bad Religion und Dog Eat Dog rausgehört hab, hatte ich allerdings schon drei Jever intus.

Abschlusskiller der Platte ist ein World Domination Remix von Stierkampf, der alles, was Alec Empire je abgeliefert hat, zu Kandidaten für die DSDS Aftershow degradiert. Ganz harter Tobak für die Tanzflure besetzter Keller zwischen Stocholm und Tegucigalpa.

„No Fuck No Ride“ erscheint auf Strangemacicrecords in Co-Produktion mit CazzoDuro Records.

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