Sei die, die du bist

· 25.03.2011 · 1 Kommentar

„Ich bin in dieses Buch verliebt“ eröffnete Übersetzerin Ebba D. Drolshagen die Vorstellung von Gunnhild Øyehaugs Roman Ich wär gern wie ich bin auf der Leipziger Buchmesse. Die Lesung und das Gespräch mit Gunnhild Øyehaug erfrischte durch einem Sprachmix aus Neu-Norwegisch (nynorsk -die kleinere der beiden Standardvariationen der norwegischen Sprache), Englisch und Deutsch und brachte mich dazu, dieses Buch endlich zu kaufen.

Gunnhild Øyehaug und Ebba D. Drolshagen

Gunnhild Øyehaug und Ebba D. Drolshagen auf der Leipziger Buchmesse 2011

Gunnhild Øyehaug, Jahrgang 1975, ist Dozentin für Creative Writing in Bergen. Für ihren, 2008 erschienenen, ersten Roman „Ich wär gern wie ich bin“ gewann sie in Norwegen mehrere Literaturpreise.

Da der Klappentext auf dem Buch im ersten Satz mit einen inhaltlichen Fehler glänzt, hier kein Zitat sondern der Versuch, den Inhalt selbst in Worte zu fassen:
Einen großen Teil des Weges durch das Buch gehen wir (tatsächlich, wir: „Hier sehen wir Sigrid.“) gemeinsam mit Sigrid. Sigrid, 23, ruft regelmäßig heulend ihre Mutter an: „Ich lebe nur in meinem Kopf!“ Sigrid hat so vieles verstanden, kann aber niemanden finden, der sie versteht.
Sigrid liebt Magnus. Magnus aber liebt Elida. Elida stellt an einem gemeinsamen Wochenende in Prag fest, dass sie Magnus nicht liebt. Elida liebt Viggo. Der weiß jedoch davon (noch) nichts. Regisseurin Linnea liebt Göran, der mit seiner Frau in Schweden lebt. Filmproduzent Robert liebt Linnea und weiß nicht, wie er es ihr sagen soll. Künstlerin Trine, befreundet mit Bassistin Wanda, liebt ihre kleine Tochter Haldis. Sigrid verliebt sich in das Foto von Kåre, das sie auf einem Buch entdeckt. Kåre war gerade noch mit Wanda zusammen. Sie haben sich gestritten. Über das Frauenbild, das Beatrix Kiddo in Kill Bill 2 verkörpert. Kåre ist gerade für einen Vortrag in Bergen, Sigrids Heimatstadt…

Daneben geht es auch noch um Lost in Translation, Dantes Göttliche Komödie, Das Schloss von Kafka, PJ Harvey und Golf.

Klingt kompliziert, liest sich tatsächlich aber gut und sehr unterhaltsam. Hin und wieder musste ich an die schöne blaue Facebook-Welt denken: Mit jedem der kurzen Kapitel verspinnt sich das Netz zwischen den Protagonisten ein bisschen mehr.

Die Frauen in Øyehaugs Roman sind klug. Und schön. Sie alle leuchten in ihrem Innersten. Und wünschen sich nichts sehnlicher, als jemandem zu begegnen, der dieses Leuchten sieht. Nur ist es eben gar nicht so einfach zu erkennen und sich erkennen zu geben. Vor allem, wenn man sich mit der wahnsinnigen Angst herumschlägt, wirklich erkannt zu werden. Vielleicht ist es dann eben doch einfacher, sich in zu großen Männerhemden zu verstecken, um geliebt zu werden…

Obwohl mich dieses Buch berührt und mich auch nach dem Lesen immer wieder beschäftigt, ist es mir insgesamt etwas zu konstruiert, aufgeräumt und verkopft. Der von Ebba D. Drolshagen betonte Geniestreich am Schluss des Buches (es wird das Geheimnis gelüftet, wer uns die Geschichte erzählt) erschließt sich mir nicht völlig. Es fehlt mir wohl an der dazu notwendigen literarischen Vorbildung.

Trotzdem: Empfehlenswert.

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  • Andrea

    Klingt gut! Will ich dieses Jahr auch noch schaffen ;)