Album der Woche: J Mascis – Several Shades of Why

· 18.03.2011 · 1 Kommentar

Immer gegen den norddeutschen Wind und immer durch den Regen. Das grobe Holzfällerhemd passt nicht so wirklich zum jugendlichen Körperbau und den Pickeln im Gesicht. Die Tüte mit dem Dosenbier fällt auf dem Weg zur Party vom Gepäckträger. Die grünen Chucks sind hinten löchrig und voll Brackwasser gelaufen…

Es sind Bilder wie diese, die vor mir erscheinen, wenn auf dem Soundtrack meines Lebens Dinosaur Jr laufen. Und damit dürfte ich nicht alleine sein!

Und trotz dieser nasskalten Erinnerungen bin ich nicht wirklich überrascht, dass Dinosaur Frontmann – und Indierockpräsident auf Lebenszeit – J Mascis auf seinem heute auf Vinyl erscheinenden ersten Studio-Solo-Album „Several Shades of Why“ so sanfte, ja sonnige Töne anschlägt, als wäre er der personifizierte Frühling. Das ist das Album, auf das ich warte, seit Waistin (auf J Mascis & the Fog – More Light) einen Sommer lang in Dauerrotation lief.

Several Shades of Why erscheint auf Sub Pop und wurde eingespielt u.a. mit Sophie Trudeau (A Silver Mount Zion), Kevin Drew (Broken Social Scene), Ben Bridwell (Band of Horses) und Pall Jenkins (Black Heart Procession), deren Anwesenheit wahrscheinlich vor allem dem inspirierenden Kreativ-Sparring und dem ganz persönlichen Wohlfühlfaktor dienten. Und das haben sie vorzüglich hinbekommen!

Several Shades of Why hat das Zeug zur Inselplatte. Eine berührende, milde 70er Brise, die Tjames Madison nicht umsonst „in den Gefilden von Crosby, Stills and Nash und anderen West Coast Poprockern der 70er Troubadour-Ära“ ansiedelt und es braucht wirklich nicht viel, um zu erkennen, wie viel Einfluss Mascis Held Neil Young auf diese Platte hatte.

J Mascis, selber ein absolut fantastischer Drummer, übt Verzicht: Alle 10 Stücke kommen ohne Schlagzeug aus und erzeugen so eine flirrende, nie greifbare Dimension. Das meine ich nicht im Sinne esoterischer Spielerei sondern im puren Sinne von Pop! Ein Pop, getragen von Mascis unvergleichlicher Stimme, magischen sechs Saiten und perfekt dosierten Überraschungsmomenten. Ich möchte mich Christian Preußer anschließen:

Man kann das zu weich und flauschig finden, doch ist eines fest in Stein gemeißelt: Das hier ist nichts weniger, als ein fantastisches Album.“

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